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DIE DEUTSCHE PSYCHOLOGIE.
und in ihr ist der Hauptgrund der Schwierigkeit zusuchen, welche darin liegt, dass wir glauben sollen, dieAusdehnung erhielte ihre Bedeutung für uns nicht auseiner Erscheinung der Gleichzeitigkeit, sondern derFolge.“ Denn für uns Sehende ist der Raum vor Allemein sichtbarer. Nun übermittelt uns das Auge mit einemSchlage eine grosse Anzahl von Empfindungen und ver-leiht dadurch den von ihm gelieferten Eindrücken einenCharakter der Gleichzeitigkeit. Da das Gesicht aberzum eigentlichen und unmittelbaren Gegenstände dieFarbe hat, so treten die Farbenempfindungen für uns andie Stelle der Muskel- und Tastempfindungen, welchewir bei der Berührung des gefärbten Gegenstandes habenkönnten, und versetzen uns in denselben Zustand, als obwir eine grosse Zahl von Tast- und Muskelempfindungenerhielten, d. h. die Wahrnehmung des Raumes hätten.
Dem Empiristen würde viel an guten Beobachtun-gen von Blindgeborenen liegen. Wenn auch die bekann-ten leider unklar sind und für die wenigsten Punkte aus-reichen, so lässt sich doch die merkwürdigste, die vonPlatner) einem philosophischen Arzte des vorigenJahrhunderts, mit der empiristischen Theorie sehr gutvereinigen. Eine aufmerksame Beobachtung, sagt er,hat mich überzeugt, dass der Tastsinn an sich absolutunvermögend ist, uns den Begriff der Ausdehnung oderdes Raumes zu gehen. Ein Blinder empfindet die äussereWelt nur als etwas Actives, von seinen eigenen Gefühlender Passivität Verschiedenes; für ihn nimmt die Zeit dieStelle des Raumes ein; Nähe und Ferne bedeuten nureine kürzere oder längere Zeit, eine kleinere oder grös-sere Zahl von Empfindungen, deren er bedarf, um voneiner Empfindung zu einer andern überzugehen. InWirklichkeit weiss der Blindgeborene nicht, dass die