DIE ENTSTEHUNG DEK BAUMANSCHAUUNG. 127
strebt er in seinen Erklärungen so weit als möglich vor-zudringen, auf dem Wege der Analyse immer die ein-facheren Elemente zu suchen, und so führt er den Raum,statt ihn als letzte Thatsache hinzustellen, auf einenallgemeinem (folglich einfachem) Begriff zurück, dieGleichzeitigkeit, und diese wieder auf einen einfachemBegriff, die Folge.
Beachtenswerth ist, dass die Empiristen zu dieser,der nativistischen gerade entgegengesetzten Ansichtmittels des tastbaren Raumes gelangt sind, und dass siebehaupten, um die Entstehung der Raumanschauungrichtig aufzufassen, müsse man sich an den Tastsinnund nicht an das Gesicht wenden. „Die Betheiligungdes Auges an unserer jetzigen Anschauung vom Raume,“sagt Stuart Mil 1, „ändert ihren Charakter vollständig,
geordnet gegeben. Diese „Verschmelzung der Tast- (oder Gesichts-empfindungen mit dem Gefühle einer Aufwendung von Bewegungs-kräften erklärt alles, was zum Begriff ausgedehnter Grösse oderdes Baumes gehört“ (Bain). Der Baum ist also nur ein beson-derer Eall von Gleichzeitigkeit. Das einzige unterscheidendeMerkmal zwischen der Gleichzeitigkeit im Baume und derjenigen,welche zwischen einem Geschmack und einer Farbe, oder einemGeschmack und einem Gerüche bestehen kann, ist demnach dieBeihe von Muskelgefühlen, welche zwischen dem Zeitpunkte, dawir einen Gegenstand verlassen, und dem liegt, da wir an einemandern anlangen. Wenn aus der Association der Muskel- undTastempfindungen nicht alles in der gewöhnlichen Auflassung desBaumes sich erklären lässt, so macht man doch nur aus reinmetaphysischen Vorurtheilen jene Art von unabhängigem Phantomaus ihm. In ihm ist nichts weiter vorhanden, als seine Ele-mente; alles Uebrige ist nur imaginärer Zusatz. Diese Elementegenügen zu einer Erklärung, und wir haben keinen Grund zu derAnnahme, dass der Baum oder die Ausdehnung an sich von demverschieden sei, was ihn uns kennen lehrt. — Für die ausführlicheDarlegung dieser Lehre vergl. insbesondere Bain, The Sensesand the Intellect, 2d ed. p. 111 seq. — Wuudt, Grundzüge derpliys. Psychol. S. 480 u. folgd.