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Die experimentelle Psychologie der Gegenwart in Deutschland
Entstehung
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DIE ENTSTEHUNG DER RAUMANSCHAUUNG. 119

diese ist nach ihm ein unserer Seele a priori ange-höriges Besitztlium, sondern sie legt nur die Iiiilfs-mittel dar, durch welche wir dem einzelnen Eindruckeine bestimmte Stelle im Raume anweisen.

Nach Wundts Ansicht, der jüngsten der geneti-schen Theorien, genügen die Localzeichen allein nichtzur Entstehung der Raum Vorstellung, da nicht einzu-sehen ist, wie eine Reihe von qualitativen Zeichen, undsei sie noch so regelmässig abgestuft, in eine räumlicheOrdnung gebracht werden könne. Diese entsteht erstdurch die Verbindung der peripherischen Sinnesempfin-dungen mit den centralen Innervationsgefühlen, welcheVerbindungWundt eine psychische Synthese nennt.Die Analyse vermag die Raumanschauung in ihre Ele-mente zu zerlegen, aber diese gleichen dem Raume nichtmehr, als Sauerstoff und Wasserstoff dem Wasser gleichen,dem Producte ihrer Verbindung.

3. Wie wir sehen, ist die Mehrzahl der genanntenAutoren mit der Untersuchung des Besonderenvor gegangen: an Stelle der abstracten Discussion

haben sie die concrete gesetzt; statt sich zu fragen, wieist der Raum entstanden, haben sie durch Beobachtungund Reflexion zu zeigen gesucht, wie wir die Vorstellungvon Grösse, Entfernung, Gestalt, Lage, Richtung, kurzvon allen Bestimmungen des Raumes erlangen 1 ). Man

!) Ihre Methode ist also gerade die entgegengesetzte derMetaphysik, ein Resultat, auf welches man unserer Meinung nachnicht genügend Acht gegeben hat. Dieser Gegensatz der beidenMethoden tritt in dem Streite zwischen Stuart Mill und seinemGegner Mahaffy sehr gut hervor. Letzterer behauptet, in einerAnalyse des Raumes dürfe die Richtung nicht Vorkommen,dennRichtung heisst Raum, und der Raum kann nicht zur Erklärung