DIB ENTSTEHUNG DER RAUMANSCHAUUNG. 115
ist. Diese Frage liat namentlich den Physiologen zumannigfachen Theorien Anlass gegeben, welche zuerstvon Helmlioltz als nativistische und empiristi-sche zusammengefasst sind. Wie sich erwarten liess,.dreht sich der Streit hauptsächlich um den sichtbarenRaum, da das Gesicht uns über die Aussenwelt diemeisten Erfahrungen liefert und den feinsten Unter-suchungen zugänglich ist. Indess drängt dieselbe Fragebei dem tastbaren Raume sich ebenfalls auf, und wennauch hier weder so zahlreiche Erklärungsversuche auf-gestellt, noch so glänzende Debatten geführt sind, wiezwischen Hering und Helmholtz, so sind doch dieLösungen im Grunde dieselben. Auf diesen weniger be-kannten Theil des Streites zwischen Nativisten undEmpiristen wollen wir die Aufmerksamkeit zunächst len-ken, da diese Debatte gerade wegen ihrer Einfachheitum so belehrender wird.
Tastbarer Raum.
1. Alle nativistisclien Theorien nehmen an, dieOrdnung der Tastempfindungen sei im Bau des Orga-nismus begründet, ursprünglich mit dem Organismusseihst gegeben und folglich angeboren. JohannesMüller scheint der Erste zu sein, der, nach der allge-meinen Annahme unter dem Einfluss der Kant’sehenPhilosophie, dieser, dem Standpunkte des naiven Be-wusstseins entsprechenden, natürlichsten und nächst-gelegenen Hypothese, eine wissenschaftliche Form gege-ben hat. Er bemerkt mit Recht, dass die Vorstellungvon tastbaren Objecten in letzter Instanz auf der Mög-lichkeit beruht, die verschiedenen Tlieile unseres. Kör-