heebart’s schule. 61
geht, und unterliegt nicht selten ihrem modificirendenEinfluss.
Eie Biologie hat von beiden für die Psychologie dasMeiste geleistet, denn sie befasst sich gerade mit denQuellen und den Ursachen des psychischen Lehens.Gleichwohl ist sie nicht so zusammengesetzt, wie die Ge-schichte, und sie hat überdies den Vortheil einer präci-seren und schärferen Methode, weil ihr directe Beob-achtung und Experiment zur Verfügung stehen. DieHülfsquellen der Geschichte sind weniger zahlreich undweniger scharf begrenzt. Jedoch hat das Studium derSprachen, der Religionen und der Sitten zu wichtigenResultaten geführt, und wenn die Psychologie nicht län-ger ein Gewebe von Abstractionen sein, sondern mehrund mehr mit dem Wirklichen sich befassen will, somuss sie es sich entschieden angelegen sein lassen, diesesprachlichen, moralischen und ästhetischen Probleme,welche zu ihrem Gebiete gehören, zu erklären. Wenndie Mathematik einen Theil ihrer Fortschritte der Noth-wendigkeit verdankt, die sie zwang, ihren Standpunktder reinen Abstraction zu verlassen, um die vielseitigenErscheinungen der Astronomie, Mechanik und Physik zuerklären, darf man da nicht ganz natürlich voraussetzen,dass auch die abstracte Psychologie, welche so lange fürdie ganze Psychologie gegolten hat, in gleicher Weisegewinnen würde, wenn sie sich dem Studium der soausserordentlich mannigfaltigen Zustände der mensch-lichen Natur in der Geschichte, den Sitten und Reli-gionen, der Literatur und den Sprachen zuwendenwollte? Die Welt des Geistes ist nur deshalb so unvoll-kommen erforscht, weil die in sich verschlossene Wissen-schaft, welche sich mit ihr beschäftigt, die natürlichenund concreten Kundgebungen des Geistes vernachlässigt