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Die experimentelle Psychologie der Gegenwart in Deutschland
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DIE DEUTSCHE PSYCHOLOGIE.

z. B. der Freund wieder lebendig werden, so würde dasGefühl der Unlust in ein Gefühl der Lust Umschlägen 1 ).

Die Affecte sindGemüthslagen, worin die Vor-stellungen beträchtlich von ihrem Gleichgewichte ent-fernt sind. Sie lassen sich eintheilen in rüstige oderentbindende (Freude, Zorn) und schmelzende oderbeschränkende (Furcht, Traurigkeit); und zwar der-gestalt,dass die rüstigen Affecte ein grösseresQuantum des wirklichen Vorstellens ins Bewusstseinbringen, als darin bestehen kann, die schmelzenden eingrösseres Quantum daraus verdrängen, als wegen derBeschaffenheit der vorhandenen Vorstellungen darausverdrängt sein sollte.

Das Begehren die Neigungen, Leidenschaften undder Wille (letzterer ist das auf einen moralischen Zweckgerichtete Begehren) ist das Ueberwiegen einer Vor-stellung, welche gegen Hindernisse ankämpft und dadurchdie anderen Vorstellungen in diesem Sinne bestimmt 2 ).

Jeder Leidenschaft liegteine herrschende Vor-stellung zum Grunde. Wo die Vorstellung des begehrtenGegenstandes nicht selbst die herrschende ist, wo viel-mehr ihr Hervorstreben grösstentheils durch andere,mit ihr verbundene bestimmt wird, da ist keine Leiden-schaft. Die Gewalt der Leidenschaft, das sie aus-zeichnende unwiderstehliche Streben, istoffenbar undgeradezu die Gewalt der herrschenden Vorstellung selbst oder vielmehr der ganzen Masse und Verbindung dereinfachen Vorstellungen, die den Gegenstand der Leiden-schaft betreffen, die sich gegen eine stets erneuerte

x ) Lindner, Lehrbuch der empirischen Psychologie, S. 138.

2 ) Vergl. zu dem Vorigen und dem Folgenden LehrbuchPsychologie, 2. Thl., Cap. 1 bis 4.

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