34 DIB DEUTSCHE PSYCHOLOGIE.
täglichen Lehen zeigen. Man denke sich 1 ), jemand redezu uns in einer unbekannten Sprache. Man wird dannbemerken, dass jedes Wort, falls es nicht so langsamgesprochen wird, dass man jede einzelne Silbe bequemauffassen kann, sofort unserm Gedächtniss wieder ent-schwunden ist. Also wohnt der Verschiedenheit entgegen-gesetzter Laute die Kraft bei, dass unsere Wahrnehmungeneinander gegenseitig aus unserm Geiste verdrängen.Zur Zeit, da wir noch nicht sprechen konnten, brachtejeder Laut, den wir hörten, dieselbe Wirkung auf unshervor, aber durch die Gewohnheit ist uns die Verbindungder Worte leicht geworden, und wir merken nicht mehr,dass eins dem andern ein Hinderniss ist. Trotzdem be-steht aber dieser Gegensatz fort, er ist eine allgemeineThatsache. Alles Uebrige gründet sich auf dieses Principvom Gegensätze der Vorstellungen, welcher zuvörderstin einfachstem Sinne genommen werden muss. „Demnachdenke man dabei nicht an zusammengesetzte Vorstellungenirgend einer Art, nicht an solche, die irgend ein Dingmit mehreren Merkmalen, oder etwas Zeitliches und Räum-liches bezeichnen, sondern an ganz einfache, roth, blau,sauer, süss, und zwar nicht an die allgemeinen Begriffehiervon, sondern an solche Vorstellungen, wie sie in einermomentanen Auffassung durch die Sinne würden ent-stehen können.“ Der sehr leicht begreifliche metaphysi-sche Grund, weswegen entgegengesetzte Vorstellungeneinander widerstehen, ist die Einheit der Seele, derenSelbsterhaltung sie sind. Eben dieser Grund erklärtohne Mühe die Verbindung unserer Vorstellungen, dieübrigens als Thatsache bekannt ist. Alle Vorstellungen
1 ) Hei'bart, De attentionis mensüra causisque primariis,Bd. VII, S. 82 .