Mauer, nur mit einer einzigen Leiter versehen, aber ohne Bedenkenwurde sie angelegt und eine Anzahl Franzosen kletterten hinan. Deroberste war Reimbold von Estourmel, der auch unversehrt bis zurHöhe der Zinnen gelangte; schon hatte er die Mauerkrone ergriffen,da trennte ein feindlicher Hieb seine Hand vom Rumpfe?) MitMühe wurde er hinuntergebracht, und überhaupt sah man ein, daßauf solche Weise Jerusalem nicht zu erobern war. In Angst undZittern, sagt Raimund, zogen die Schaaren von hinnen.
Man beschloß, jetzt keinen Angriff weiter zu wagen, bis mandie nöthigen Maschinen erbaut hätte, traf dann auch alle Anstaltenzu diesem Zwecke, sah sich aber bald in zahlreiche Schwierigkeitenverwickelt. Zunächst stellte sich drückender Mangel an Lebensmittelnund Trinkwasser heraus: das Land um Jerusalem ist dürr und un-fruchtbar, und von den frühesten Zeiten an hat man die sonderbareErscheinung bemerkt, daß zahlreiche Brunnen innerhalb der Mauerndie Stadt versorgen, während draußen eine gänzliche Dürre die Gegendmenschenleer macht?) Der Bach Kidron war, wie es fast in jedemJahr geschieht, durch den heißen Sommer ausgetrocknet; außerdemgab nur die Quelle Siloe, und diese nur an jedem dritten TageWasser, welches aber bei dem heftigen Andrang sehr bald getrübtund ungenießbar wurde?) Dazu kam, daß die Saracenen in häufigenAusfällen die Fouragirungen hinderten und die Gegend völlig ver-wüsteten ch: man war in unvermutheter Noth, fürchtete den Ausbruchgefährlicher Epidemien und mußte, so nahe dem Ziele, Geduld und
1) Lack. s. 119, der die Sache anführt, nennt ihn Raibald aus Chartres;ich nehme den Namen aus der dioKraptns univ. art. Lstonrrnsl (von de La-combe); hier heißt es: Gottfried habe dem strs Lsiinbolä ä'Lstourmsl einStück des wahren Kreuzes, den Beinamen 6räton und die Devise vatllant surIn erste gegeben. Die Reliquie wurde noch im 16. Jahrhundert in der Fa-milie vererbt. — Freilich würde diese Dauerhaftigkeit Radulf's Zeugniß nichtim Mindesten überflüssig machen.
2) Eine gründliche Zusammenstellung über diesen Umstand giebt RaumerPalästina S. 329, wo überhaupt die Topographie Jerusalems nach älteren undneueren Zeugnissen erschöpfend behandelt ist.
3) Latin, p. 174. Die Einwohner, sagt er, hätten erzählt, Siloe gäbe nurFreitags Wasser; ihnen hätte es jeden dritten Tag geflossen, (jniä autsin knsritprastsr cksi voluutatsm iAnorainus.
4) Luäsb. p. 810 und sonst.