246 —
Wir sehen nun wohl, daß eine so gegründete Herrschaft, in dreiJahren znsammenerobert, und immer noch von fremden Besitzungendurchbrochen — denn die Städte im Pontus und einzelne TheileKappadociens blieben trotz des Friedens griechisch — unmöglich festeHaltung und friedliche Sicherheit haben konnte. Es war die ersteAnsiedelung eines wandernden Heeres; jeder richtete sich ein, wo erden Boden behauptete, und gehorchte dem Fürsten, weil dessen Feld-herrnstellung frisch im Gedächtniß war. Suleiman selbst ließ sichnicht Ruhe, sein Reich zu befestigen: schon 1084 wandte er seineWaffen nach Osten, eroberte Antiochien und fiel dann zwei Jahrenachher im Kampfe gegen einen Bruder Melekschah's, Tutusch, denStatthalter von Syrien. Sogleich brach die vollständigste Verwirrungim ganzen Umfang seiner Territorien aus, welcher selbst Melekschah,damals noch in voller Kraft der Herrschaft, nicht zu steuern vermochte.Die Händel zwischen den Häuptlingen, ihr Krieg unter sich und gegenMelekschah's Bevollmächtigte, zogen sich bis zu dem Tode des letzterenhin, und dann erst langte Kilidsch Arslan, der Sohn Snleiman's,von Bagdad her in Nicäa an, um wo möglich das Erbtheil desVaters wieder in seiner Hand zu vereinigen?) Es gelang ihmfreilich nur in beschränkter Ausdehnung; mehrere Emire hielten ihreSelbständigkeit aufrecht, die Griechen behaupteten ihre Besitzungenund schritten an mehreren Punkten zu ferneren Eroberungen fort.Im Jahre 1096 erscheint Klein-Asien unter folgende Herren vertheilt,wobei im Allgemeinen zu bemerken ist, daß feste Grenzen für unsnicht erkennbar, aber sicher auch nicht vorhanden gewesen sind. EinJeder befahl, so weit seine Waffen Gehorsam fanden, unaufhörlicheSchwankungen gingen von einer Grenze des willkürlich zerrissenenLandes zur anderen.
Kilidsch Arslan beherrschte ohne Zweifel den Stamm der ganzenHalbinsel, in welcher Ausdehnung indeß nach Osten, möchte schwerzu bestimmen sein. Die Kreuzfahrer haben die letzten Kämpfe mitseinen Schaaren bei Erkle an der Grenze Ciliciens bestanden; wasKappadocien angeht, so habe ich schon früher auf die Dunkelheitder betreffenden Nachricht aufmerksam gemacht. Jedenfalls erstreckte
1) billig, x. 168 8gg. Daß sie x. 179 den Tod Melekschah's mit der Er-mordung seines Wesirs und nicht mit der seines Vaters verwechselt, hat Hammerbemerkt.