Druckschrift 
Geschichte des ersten Kreuzzuges
Entstehung
Seite
154
Einzelbild herunterladen
 

bauen sie sich Hütten, zuweilen finden sich mehrere zusammen, siefliehen vor den: Volke, das ihnen voll Bewunderung nachsieht, nurder Hunger treibt sie wohl, ihre mageren, verwilderten Gestaltenmenschlichen Blicken zu zeigen. Aber ihre Noth ist auch ihre höchsteLust; ist's doch kein Wunder, daß Gott und seine Engel ihrem Augeerscheinen, wenn die wildeste Meditation ihre Geister erregt hat, wennihre Körper dem Hunger, der Geißelung, den Nachtwachen zu er-liegen drohen. Damals sind die Einsiedlervereine in Camalduli undVallombrosa zusammengetreten, gegen Ende des Jahrhunderts wurdendie Carthause und Citeaux bevölkert und wie viel Einzelne wärenzu nennen, welche noch heute die Kirche unter ihren Heiligen verehrt,wie große Massen sind unbemerkt und ohne bleibendes Andenkendahingegangen.

Man sagt wohl, nie werde einem Menschen mißlingen, was ermit der ganzen Kraft seines Lebens verfolgt. Diesen Mönchen nunist ihr Streben wahrlich nicht fehlgeschlagen; die überirdischen Dingewurden ihnen geläufig, wie uns Anderen der gewöhnlichste Lebens-gang. Sie verkehrten mit Gott, mit dem Heilande und seiner Mut-ter, mit den Schaaren der Seligen, die täglichen Ereignisse ver-wandelten sich unter ihrer Hand in Wunder und Schöpfungen Gottes.Man ermüdet, wenn man in ihren Biographien diese endlose unddoch höchst eintönige Reihe von Mirakeln an sich vorübergehen läßt;eine Menge kindischer Dinge würde uns von vorn herein zurück-schrecken, wären sie nicht Erzeugnisse der tiefen Ueberzeugung unddes geistigen Leides von Menschen, lebendigen Menschen voll von Kraftund Seelenfrische, eines Geschlechtes, das zu gewaltigen Dingen be-rufen war und in allen Verirrungen Gewaltiges geschaffen hat.Auch denke man nicht, daß diese Ascetik nur in engen Kreisen ge-herrscht habe; schon die Zahl der Klöster und der Eremiten und diemaaßlose Energie der ganzen Richtung müßte einen allgemeinerenEinfluß vermachen lassen. So erkennt man leicht, daß die Seelen-

bei Botland 28. Mai, e. 2. Man kann an Lanfrank schlechterdings alle Ge-stalten geistigen Daseins, welche das 11. Jahrhundert hervorbrachte, kennen lernen,mit unglaublicher Leichtigkeit hat er sie sich angeeignet und gewechselt, bis zurhöchsten Höhe ausgebildct und wieder abgelegt. Profane Gelehrsamkeit, mystischesEntzücken, hierarchische Pracht, weltliche Geschmeidigkeit, alles ist ihm, und manch-mal zu derselben Zeit gleich geläufig gewesen.