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2 (1891) Drei Bücher der Redekunst (Rhetorik)
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Orillcv Blich.

sogar die Wahrsager wissen", wie Epimenidcs der Kreter sagte 0.Derselbe wahrsagte nämlich niemals über die zukünftigen Dinge, son-dern nur über Dinge, die zwar bereits geschehen, aber in ihrer Be-deutung noch unerkannt waren. Dazu hat die gerichtliche Rede andem Gesetze eine Grundlage, und hat man erst einen sichern AusgangS-vunkt, so ist es schon leichter, die weitere beweisende Ausführung zufinden. Ferner hat der Staatsredner nicht so viele Punkte, bei denener verweilen kann, um z. B. Angriffe auf einen Gegner zu machen,von sich selbst zu reden, oder die Affekte seiner Zuhörer zu erregen;sondern er hat unter allen Rednern solche Stoffe und Veranlassungen,sich auszubreiten, am wenigsten, wenn er nicht über die ihm angewie-senen Grenzen hinausgehn will. Da muß er denn also, wenn er umStoff verlegen ist, es so machen, wie zu Athen die Redner und na-mentlich Jsokrates ^); denn dieser bringt allerdings auch als bcrathcn-der Redner Anklagen an, wie z. B. im Panegyrikus gegen die Lake-dämonier und in der Rede für die Bundesgenossen gegen Chares. 11. Bei den epideiktischen Reden mag man sich zur Erweiterungdes Stoffs mit Einflechtung von Lobpreisungsepisoden helfen, wiedas gleichfalls Jsokrates thut, der in solchen Fällen immer irgend einenHelden mit herbeizieht ^). Das meinte auch Gorgias, wenn er zu

r, Knebel versteht diese Worte nicht, und doch ist der Scherz so leicht zuverstehen. EpimenidcS, der brnminenhnst lebende, priesterliche Weise, ein Hei-liger de« antiken Heidcnthums, SolvnS älterer Zeitgenosse und Freund, ver-spottete nach Aristoteles mit diesem Aussprüche die gemeinenPropheten".Man sehe über den wunderbaren Mann Duncker, Gesch. d. Altcrth. IV, S.>68>73. Ulrici a. a. O, >1, S. 238. Das Einzige, was auch einPro-phet" eben wissen könne, meinte er, sei das Bergangcne, und nur aus derKenntniß und richtigen Einsicht in das Vergangene und Geschehene, lasse sichdas Zukünftige bestimmen.

2) Daß diese Anführung des Jsokrates keine lobende ist, sieht man leicht.

Dgl. Jsvkrat. Panegnr. h. >25 ff.

§) Jetzt betitelt:Rebe über den Frieden". Dgl. daselbst Kap. 39.i>Wenn Jsokrates z. B. dem Busiris eine Lobrede hält, so verknüpfter damit auch das Lob des von ihm beherrschten Landes, erhebt dessen Priester-schaft, preiset nebenbei den Pythagoras, der von dort die Philosophie nach Ita-lien gebracht habe. In der Lobrede auf Helena preiset er eben so die Tugen-den und Heldenthaten des TheseuS, rechtfertigt den AlerandrvS (Paris) undpreiset die Schönheit, was alle« nicht zum eigentlichen Thema seiner Redegehört." Knebel.