Druckschrift 
2 (1891) Drei Bücher der Redekunst (Rhetorik)
Entstehung
Seite
298
Einzelbild herunterladen
 

298

Drittes Buch.

diese Art die Beweisführung für die Zuhörer schwer im Gcdächtnißzu behalten sein würde '). Eine Darstellung also, bei der eS heißt:aus den und den Thatsacheu geht hervor, daß er tapfer, aus den undden, daß er weise oder gerecht ist, empfiehlt sich auch durch größereEinfachheit und Verständlichkeit, während jene andere kunterbuntund nicht glatt eingehend ist.

3. Sind indcß die Thatsacheu, um die es sich handelt, allgemeinbekannt, so braucht der (epideiktischc) Redner an dieselben nur z uerinnern. Darum bedarf die Mehrzahl der Schauenden überhauptder Erzählung gar nicht, z. B. wenn es gilt, aus Achilleus eine Lob-rede zu halten, denn jedermann kennt seine Thaten. Hat man da-gegen eine solche auf Kritias zu halten, so bedarf cs einer Erzählungdessen, was er gcthan hat, denn das wissen nicht Vieles.

-1. Heutzutage dagegen stellen die Rhetoriker lächcrlicherweiseals Regel auf:die Erzählung müsse rasch sein." Darauf läßt sichdoch wirklich anwendcn, was der Bäckermeister dem Teigknetenden,der ihn fragte, ob er den Teig streng oder weich machen solle, zurAntwort gab:Wie so ? kannst du ihn denn nicht machen, wi e sich'sgehört?" Ebenso ist es auäi in unserm Falle. Weitschweifig näm-lich soll man allerdings nicht erzählen, ebenso wenig wie man weit-schweifig im Eingänge, oder bei der Beweisführung sein soll, und sobesteht auch hier dieGchörigkeit" nicht in der Raschheit, oder inKürze, sondern in der Angemessenheit. Diese aber besteht darin, gradesoviel zu sagen, als erforderlich ist, um die Sache, um die es sich han-delt, klar zu machen, oder soviel als erforderlich ist, um bei dem Zu-

ES würde einer solchen Darstellung die innere Einheit fehlen, währenddadurch, daß die besonder« charakteristischen Eigenschaften einer Person zugleichimmer durch die beweisenden Thatsacheu begründet werden, die Uebersicht erleich,tert wird." Biese.

2) Victoriuö und Viele nach ihm nehmen mit Necht an, daß hier eineLücke im Texre und der Schluß der Auseinandersetzung über dieErzählung"in der epi d eikti sch en, und der Anfang über die Bedeutung derselben inder gerichtlichen Nede ausgefallen sei.

Diese im Ausdrucke ungewöhnlich herbe Polemik ist. wie wir aus Quinc-tilian (LV, 2, §. 32) wissen, gegen JsokrateS gerichtet. Vgl. die Anmerk, zuI, Kap. 9, §. 38 und zu U, Kap. 23, §. l2, und ähnliche harte AusdrückeIII, Kap. 13, §. 3, Kap. 14, S- 8.