Sechzehnte« Kapitel.
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der aber für die vorliegende Sache von entscheidender Wichtigkeit ist,zu tadeln. Leute, die so verfahren, sind die feinsten und schlimmstenVerdächtiger, denn ihr Bestreben geht darauf aus, uns durch unsereeignen guten Eigenschaften zu schaden, indem sie dieselben mit demSchlimmen vermischen.
Ein Verfahren endlich, das sich sowohl der Verunglimpfende,als der Rechtfertigende zu Nutzen machen kann, besteht darin, daßder erstcre bei der Möglichkeit vieler Abfichten bei einer Handlungdie schlimmere auswählt und hervorhcbt, um den Charakter des An-geschuldigten zu verunglimpfen, wohingegen der Rechtfertigende diebessere Absicht geltend zu machen sucht. Also z. B. wenn es sichfragt, weßhalb Diomedes grade den Odysseus zum Begleiter wählte '),so wird der Eine sagen: „weil er ihn für den Tapfersten hielt", derAndere dagegen wird sagen: „Nein, sondern weil dieser allein alsein Feiger ihm den Ruhm nicht streitig machen konnte".
Soviel von der Verunglimpfung.
Sechzehntes Kapitel.
Was die „Erzählung" anlangt, so bildet sie in den epideik-tischen Reden kein hintereinander fortlaufendes Ganze, sondern vielegesonderte Theile. Es ist nämlich allerdings erforderlich, die That-sachen vorzutragen, aus welchen die Rede basirt. Denn die Rede istzusammengesetzt, und indem sie erstens ein außerhalb der Kunst lie-gendes Element hat, — denn der Redner ist ja nicht Urheber derThatfachen, — und zweitens ein auS der Kunst hervorgehendes, näm-lich die Führung des Nachweises, baß etwas wirklich wahr sei, imFalle es unglaublich erscheint, oder daß es von der und der Be-schaffenheit, oder von der und der Größe und Bedeutung, oder dießAlles inSgesammt sei.
2. Grade dieß ist nun aber der Grund, weßhalb der Redner inmanchen Fällen nicht Alles hintereinander erzählen darf, weil auf
Bei dem nächtlichen Unternehmen Jl. X, 242 ff. Pgl. Buch II,Kap. 23, §. 20.