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2 (1891) Drei Bücher der Redekunst (Rhetorik)
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Drittes Buch.

Fünfzehntes Kapitel.

WaS die Verunglimpfung betrifft, so ist der erste Gesichtspunktder: daß man überhaupt die Mittel und Wege kennen muß, eine übleMeinung zu beseitigen. Denn cs macht keinen Unterschied, ob solcheüble Meinung durch die Rede eines Andern oder sonstwie hervorge-rufen ist. Das Verfahren ist also hier ein ganz allgemeines. 2. Einzweites Verfahren ist, daß man gradezu auf den Streitpunkt loSgeht,und darzuthun sucht, entweder die Sache sei gar nicht wahr, oder siesei keine Verletzung irgend Jemandes, oder keine Schädigung der be-treffenden Person, oder sie sei nicht so bedeutend, oder sie sei kein Un-recht, oder kein großes, oder sie sei nicht schimpflich, oder sie habenichts auf sich; denn um diese Bestimmungen dreht sich immer derstreitige Punkt. So machte es Jphikrates in seinem Handel widerNausikratcs'); er gab zu, er habe gethan, was jener sagte, undhabe ihn geschädigt, aber er habe damit kein Unrecht begangen.Ist man aber in der Lage, Unrecht gethan zu haben, so kann maneine Kompensation dafür aufstellen, indem man sagt:wenn es schä-digend war, so war cS doch rühmlich", oder:wenn cs kränkend war,so war es doch heilsam", und dergleichen mehr.

3. Ein drittes Verfahren ist, daß man sagt:es sei ein Ver-sehen, oder ein unglücklicher Zufall, oder etwas Unfreiwilliges, wiez. B. in letzterer Beziehung Sophokles sagte:er zittere allerdings,aber nicht, wie seine Verleumder sagen, um als schwacher Greis zuerscheinen, sondern unfreiwillig; denn es sei nicht seine Wahl, daß erachtzig Jahre auf dem Rücken habe." Deßgleichen kann man denZweck einer Handlung als Kompensation geltend machen und sagen:

1) Don diesem Prozesse wissen wir sonst nicht«. Nanstkrate« war einRedner au« der Schule de« Jsokrate«.

2) Die hier mitgetheilte Antwort scheint auf den Prozeß zu gehen, wel-chen der greise Tragiker mit seiner Familie gehabt haben soll. Diese Episodeau« dem Leben de« Sophokle« ist zwar noch nicht völlig aufgeklärt <s. Schöll'«Einleitung zur Hebers, de« Oedip. Kolon.1; aber soviel scheint doch au« unsrerAristotel. Stelle hervorzugehen, daß Aristotele« diese Antwort de« greisen Dich,

ter« (welche an da« berühmte Wort:Du zitterst.?Ja, vor

Kälte!" erinnert) au« einer Bertheid!gung«rede oder Schrift desselben entnahm.