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2 (1891) Drei Bücher der Redekunst (Rhetorik)
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Vierzehntes Kapitel.

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11. Wie man den Zuhörer wohlwollend stimmen soll, ist bereitsangegeben >), wie denn auch über die anderweitige Beeinflussung des-selben früher gehandelt worden ist. Weil es aber ganz richtig heißt:Gib, daß ich bei den Phäaken so Lieb' antreff', als Erbarmen 2 )so will ich hier 3) nur noch bemerken, daß der Redner sich diese beidenzum Ziele setzen muß. Bei den epideiktischen Reden hat der Rednerden Hörer glauben zu machen, daß er selbst oder sein Geschlecht, odersein Stand und Gewerbe, oder sonst irgend etwas, was mit ihm zu-sammenhängt, Theil habe an dem Lobe und Preise, welchen sein Vor-trag enthält. Denn es ist ganz richtig, was Sokrates in der Leichen-rede^) sagt:Es ist nicht schwer, Athener vor einer Versammlungvon Athenern zu loben, wohl aber vor einer Versammlung von Lake-dämoniern."

WaS endlich die Staatsrede anlangt, so find ihre Eingängeaus denen der gerichtlichen zu entnehmen, ihrer Natur nach aber be-darf sie derselben am wenigsten. Denn theils wissen hier die Zuhörer,um was es sich handelt, theils erfordert der Gegenstand selbst keinenEingang", es sei denn, daß der Redner aufseine Persönlichkeit, oderaus die der gegen seine Ansicht Sprechenden einzugehen hat, oder inFällen, wo die Zuhörer dem Gegenstände nicht denselben Grad vonWichtigkeit beilegen, den er selbst ihm beigelegt wissen will, sondernentweder einen größeren, oder einen geringeren. In solchen Fällentritt für den Redner die Nothwendigkeit ein, im ersten: entweder eineüble Meinung wider seine Gegner zu erwecken, oder eine gegen ihnselbst erweckte zu beseitigen; im zweiten: den Gegenstand entweder zusteigern, oder seine Wichtigkeit zu verkleinern. Dazu bedarf er danneinesEinganges". Zuweilen aber auch bloß des Anstandes halber,wenn sie keinen regelrechten Eingang hat. Als ein solches erscheintz. B. Gorgias'Lobrede auf die Eleer", wo der Redner, ohne sichvorher irgendwie auf Fcchterart in Positur zu setzen und auszulegen,sofort mit seinem:Elis glückselige Stadt" beginnt.

r> S. oben II, Kap. 4.

2> Homer Odyssee VI, Z27.

3> D. h. in Betreff der gerichtlichen Reden,d) In Platon's Menexeno« p. 2ZS ck. S. oben I, S, §. Lst.Aristoteles' Rhetorik. 20