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2 (1891) Drei Bücher der Redekunst (Rhetorik)
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Drittes Luch.

wohl Acht, denn ich werde Euch jetzt etwas so Furchtbares oderso Wunderbares sagen, dergleichen Ihr noch niemals gehört habt." Dieß ist es, was Prodikos meinte, wenn er sagte:so oft seineZnhörer schläfrig würden, schiebe er ihnen ihre für die Vorlesung ge-zahlten fünfzig Drachmen in's Gewissen ')".

lO. Daß aber in solchen, auf den Zuhörer berechneten Wen-dungen der Zuhörer nicht als solcher schlechtweg betrachtet wird,liegt auf der Hand. Den» in denEingängen" suchen alle Rednerentweder eine üble Meinung von Andern zu erwecken, oder Befürch-tungen, die sie hegen, zu beseitigen. Man denke nur an daS:

Herr, nicht gerade sag' ich, daß ich SilenS halb

(und an das):

Was braucht'« der Borred'",

Auch die, welche eine üble Sache entweder wirklich, oder nach derAnsicht der Leute haben, bewegen sich in solchen Eingangsumschwei-fen, weil es für sie besser ist, aus jedem andern Gebiete zu verweilen,als auf dem der Sache. Daher kommt es auch, daß unsere Dienst-boten nie gradezu das sagen, wonach man sie fragt, sondern immerum die Sache herumgehen und entschuldigende Vorreden machen.

Prodikos, der aus Platon bekannte, berühmte Sophist und Redekunst»ler, hielt Vorlesungen für Honorar, und zwar war dasselbe von verschiedenerHohe. ES gab Vorlesungen, wo daö Eintrittshonvrar nur eine Drachme

7 Sgr.) betrug, während er sich seine Hauptvorlesung (welche über dieMethode handelte, wie man das Wesen der Dinge aus der sprachlichen Bezeich,nung derselben durch Worte st'x erkennen könne) mir fünfzig

Drachmen bezahlen ließ, worüber der Platonische SokrarcS im Kratylos <p. 384 L-)so heiter spottet. Aus unserer Aristotelischen Stelle sehen wir zugleich, daßder geistreiche Sophist selbst seineVögel" sehr richtig zu behandeln verstand.(Vgl. Welcker im Rhein. Mus. I. l, S. 25). Andere übersetzen:schiebeer etwaö ein aus dem Fünfzigdrachmenvorlrage".

2- D- h. nicht alö bloßer, unbefangner Zuhörer.

2) Eingang der Rede desWächters" in Sophokles' Antigone B. 223.Wie Schade, daß Aristoteles hier nur die ersten Worte anführr! Wir wür-den sonst wissen, wie eS zu seiner Zeit mit dem Sophokleischen Texte auSsah,der auch in dieser Rede arge Entstellungen erlitten har. S. Schöll in seinerttebers. S. 95 ff.

^) EuripideS' Iphig. in Tauris B. Il3t.