Druckschrift 
2 (1891) Drei Bücher der Redekunst (Rhetorik)
Entstehung
Seite
291
Einzelbild herunterladen
 

Vierzehntes Knvitel.

291

bringen suchen Zur Willigkeit, sich belehren zu lassen ^), werdendagegen den Zuhörer alle diese Wendungen hinfuhren, sobald derRedner dieß will, und so auch besonders, wenn es ihm gelingt, sichseinem Publikum im Lichte eines rechtschaffenen Mannes darzuftellen;denn solche» Leuten leiht man vorzugsweise gern ein williges Ohr. Was ferner die Aufmerksamkeit betrifft, so schenkt man dieselbeAllem, was groß ist, was uns selbst angeht, was unsere Bewunderungzu erregen geeignet, oder uns angenehm und erfreulich ist. Der Rednermuß also nie schließen lassen, daß seine Rede von solchen Dingenhandeln wird. Will er dagegen keine aufmerksamen Zuhörer haben,so muß er ihnen die Meinung bcibringcn, daß die Sache geringfügig,daß sic für sie von keinem Interesse, daß sie unangenehmer Art sei.

8. Man beachte aber wohl, daß alle derartigen Regeln sammtund sonders außerwescntlich sind. Sie sind nämlich auf einen Zu-hörer berechnet, der untüchtig ist, und auf Dinge hinhört, die nicktzur Sache gehörig sind: denn nehmen wir an, daß er nicht ein sol-cher ist, so bedarf es gar keines Eingangs, sondern höchstens nureiner h au ptsä ch l i ck e n Angabe des Gegenstandes, um den eS sichbandelt, damit doch der Leib der Rede so zu sagen ein Haupt habe.9. Die Aufgabe ferner, die Zuhörer aufmerksam zu macken, ist allenTheilen der Rede gemeinsam, da, wo immer cs erforderlich ist; dennibre Aufmerksamkeit erlahmt überall eher, als grade am Anfänge.Es ist daher lächerlich, diese Regelt für den Anfang aufzustcllen,wo grade Alle vorzugsweise aufmerksam znhören. Also: überall,wo es an der Zeit ist, da hat der Redner Wendungen cinzustrcucn,wie:Und merkt mir gut auf, denn was ich hier sage, gebt keines-wegs bloß mich, sondern ebenso sehr Euch selbst an." Oder wie:gebt

1) Wer Lord Palmerstons Neke genau verfolgt hat. wird wissen, daß der-selbe diese von Aristoteles hier angeführte Taktik, sowie den weiter unten(Kap. l9, §. 6) von AristvteleS angeführten Nath deö Georgias, sich wobl ge-merkt hat; der ehrliche Quinctilian dagegen t!V, l, §. 37) bar die Bedeutungder Aristotelischen Bemerkung gar nicht verstanden, die sich aus §. 8 klar ergibt.

2) D. h. auf die Darstellung des Nedncrs beistimmend cinzugehen.

5- D. h. daß sie eigentlich gar nicht zur Sache gehören rov Ho-

^ov), die Nhetorik sich gar nicht damit zu beschäftigen hat. Dgl. l. Kap. i.

§. 3 ff.

ö) Daß man die Aufmerksamkeit erregen müsse.