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2 (1891) Drei Bücher der Redekunst (Rhetorik)
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Drittes Blich.

Und die Komödie verfahrt ebenso. DaS nothwcndigste Geschäftdes Prosmiums, welches zugleich das cigenthümliche Wesen desselbenausinacht, ist dieses: anzugeben, welches der Endzweck sei, um dessent-willen die Rede gehalten wird. Ist daher dieser an sich klar, und istdie Sache, um die cs sich handelt, von geringem Umfange, so hatman kein Prosmium nöthig.

7. Alle die andern Wendungen 0, die man sonst noch zu ge-brauchen pflegt, sind lediglich Recepte gegen gewisse Uebelstände, undzwar Recepte, die für alle Arten von Reden und Eingängen anwend-bar sind. Sie werden hergcnommen thcils von der Persönlichkeit desRedners, thcils von der Natur des Zuhörerpublikums, oder der Sache,um die eS sich handelt, oder von der Persönlichkeit des Gegners. Ausdie Persönlichkeit des Redners und seines Gegners bezieht sich Alles,was darauf hinzielt, eine üble Meinung von denselben entweder zubeseitigen, oder zu bewirken. Doch ist hier das Verfahren ein ver-schiedenes. Hat der Redner nämlich zu vertbeidigen, so wird er anerster Stelle von dem reden, was eine üble Meinung zu erwecken ge-eignet ist; hat er dagegen anzuklagen, so wird er dich in seinemSchlußworte thun. Das Warum begreift sich leicht. Der Verthcidi-gende nämlich muß, sobald es daraus ankommt, sich selbst in Scenezu setzen, nvthwcndig erst vorher die Hindernisse aus dem Wege räu-men, er muß also an erster Stelle die gegen ihn vorhandene übleMeinung beseitigen 2); hingegen der, welcher von dem Andern eineüble Meinung erregen will, muß dieß im Schlußworte thun, damites besser im Gedächtniß der Zuhörer haftet.

Was zweitens die auf den Zuhörer berechneten Wendungen be-trifft, so entspringen sie thcils aus der Absicht, ihn günstig zu stim-men, thcils ihn aufzubringen, ja zuweilen auch nur seine Aufmerksam-keit zu erregen, oder auch wohl umgekehrt denselben abzulcitcn; dennnicht immer ist es zuträglich, seine Aufmerksamkeit zu spannen, weß-halb denn auch gar manche Redner ihr Publikum zum Lachen zu

^ Aristoreles volemisirt hier wieder gegen andere Nkietoriker, welche nochandere Arten von Eingangswendungen angeben, die, wie er sagt, dein Ein-gänge, als solchem, nicht wesentlich sind.

2) Wie dieß z. B. Cicero zn Anfang seiner Nede für Milo thut.