Zwölftes Kapitel.
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Chairemon — denn er ist in seiner Sache so sorgfältig gefeilt, wieein Redeschreibcr, — und unter denDitbyrambendichternLikymuios ').Und hält man sie gegeneinander, so ei scheinen die Produktionen derschriftstellerischen Redekünstler beim öffentlichen Vorträge mager, wäh-rend dagegen die der wirklichen Redner, so gut sie sich auch öffentlichvorgctragcn anhören, doch, wenn man sie geschrieben vor sich hat, sty-listis» roh erscheinen. Der Grund liegt darin, daß diese Ausdrucks-weise eben auf den mündlichen Vortrag berechnet ist, daher denn auchgrade die dramatisch wirksamen Stellen, wenn sie bei fehlendem dra-matischem Vortrage diese ihre Wirkung nicht thun können, schaal er-scheinen. So z. B. werden die Asyndeta und die vielfältige Wieder-holung eines und desselben Ausdrucks im schriftlichen Style mit Rechtverworfen, während im öffentlichen und mündlichen Vortrage selbstdie Redner dergleichen anwcndcn, weil sie dramatisch lebendig find.
3. Indessen ist es nothwcndig, daß der Redner, welcher ein unddasselbe Wort bäusig wiederholt, im Ton des Ausdrucks wechselt2),was dann so zu sagen dem dranratischen Ausdruck den Weg bahnt:„das ist der Mann, der Euch bestohlen hat; das ist der Mann, derEuch betrogen hat; das der Mann, der zuletzt Euch zu verrathenversucht hat" ^). So machte cs auch (neulich) der Schauspieler
d. h. man findet fie überall in den Händen der Schöngeister, welche „dieschöne Sprache" vor allen bewundern. Das Urtheit des Philosophen über dieseDramengattung, welches in dem Ausdrucke liegt, der noch dazu
mit Nachdruck vorangestellt ist. charakteristrt zugleich den genannten dramati-schen Dichter, über welchen man die Bemerkung zur Arist. Poetik l, 9, S. 68nachsehen mag. Aus dieser einzigen Stelle können wir sehen, welchen Verlustunsere Kunde der poetischen Literatur Griechenlands durch den Untergang desAristotelischen LiterarurgeschichtSwerkS „von den Dichtern" erlitten hat. Dgl.meine Einleitung zur ttebers. v. Arist. Poetik S. 2 ff.
^ Aus ChioS, nicht zu verwechseln mit dem von Aristoteles mehr er-wähnten Nhetvr gleichen NamenS. Vgl. Ulriei a. a. O. 2, 497.
2) „Den Accent verändern" übersetzen hier Knebel u. Biese.
Andere verstehen darunter: ein und denselben Gedanken in verschiedene Formkleiden; was die späteren Nhetoriker und expolitio nennen. Vgl.
(Pseudo») Licero acl Ilerenn. IV. 42 ff. — DaS Nichtige der ersteren Erklä-rung ersteht man aus Quinct. IX, 3, §. 3V ff. «6 Iler. IV. 13, §. 19.6i'c. rle Orat. III, 54, §. 206-
') Woher dieß Beispiel sei, weiß ich nicht.