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Drittes Buck.
Zwölftes Kapitel.
Es ist ferner nicht zu übersehen, daß jede Gattung der Redeihre besondere zu ihr paffende Weise des sprachlichen Ausdrucks hat.Denn der schriftstellerische Styl ist nicht derselbe, wie der Styl deswirklichen öffentlichen Redners, und der Styl des StaatSrcdners istwieder nicht der des gerichtlichen. Und doch muß der Redner mit bei-den Bescheid wissen; denn das eine heißt soviel als: hellenisch redenkönnen 2), das andere: nicht gezwungen sein den Mund zu halten,wenn man dem großen Publikum gern etwas mitthcilcn möchte, —wie es denen geht, die nicht zu schreiben verstehn.
2. Der sprachliche Ausdruck des Schriftstellers erfordert diesorgfältigste Ausarbeitung, während dagegen die AuSdruckSweise deswirklichen Redners diejenige ist, welche den lebhaftesten dramatischenVortrag erfordert. Die letztere zerfällt wieder in zwei Arten; siewendet sich nämlich entweder an das sittliche Urtheil, oder an dieLeidenschaften des Hörers. Darum gehen denn auch die Schauspielerauf solche Dramen und die Poeten auf Helden solcher Art aus^).Gehätschelt §) freilich werden die Verfasser von Lesedramcn, wie z. B.
r> Wörtlich: „der Schrcibestyl", d. h. der Styl von Reden und Schriften,die, wie wir sngen, literarischer Art find, mit dem Anspruch eines Litcratur-werks aufrrcren, ohne wirklich gehalten zu sein. So z. B. die Reden desJsvkratcS u. a. m.
^1 O- h. sich i» mündlicher Rede klar und sprachrichtig ausbrücken, was(wie Aristoteles nicht zu sagen braucht, weil es sich von selbst verstand) lcdemhellenischen Maune eine Bildungspflicht war, wenn er nicht für einen Barbarengelten wollte. Wir freilich sind von socher Gewissenhaftigkeit noch weit ent-fernt, und der Mehrzahl nach in hellenischem Sinne Barbaren in Bezug aufunser „deutsch reden".
ä, ES ist vom Unterschiede des „Ethischen" und des „Pathetischen" desCharakters und der Leidenschaft die Rede. Der Schauspieler, der durch dieKraft deS Vortrags und der Aktion wirkt, macht sich aus den semst stylisirtenLesedramen nichts, sondern er macht Jagd (ck-eu-eovere) aus solche Dramen, indenen es entweder große Leidenschaften darzustelleu, oder scharf ausgeprägteCharaktere durchzuführen gibt, und eben solche SnjetS sind es auch, die derwahre Dichter vorzugsweise wählt.
Gehätschelt s. Reisig, Duarrat. Oecl. 6o>. V. l lstl),