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2 (1891) Drei Bücher der Redekunst (Rhetorik)
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Drittes Buch.

Wort an die Hand geben. Zum Beispiel der, welcher sagte:Gott-lieb ist nicht Gott lieb", gab eine Homonymie, aber sie paßte, wennder Mensch wirklich widerwärtig war "). Ein andres Beispiel liefertder Vers:

Nicht mvgst du werden mehr als sich geziemt, To'noS.

O Xe'nos.2,.

Oder man kann auch sagen:nicht mehr als sich geziemt" u. s. w.;oder:Nicht soll der Kanos Lönos ewig sein", denn auch hier ist dieBedeutung verschieden. Hierher gehört auch der vielbelobte Spruchdes Anaxandridas :

Schön ist's, zu sterben, eh' man TodeSwürd'geS thut!

Denn das ist dasselbe, als wenn man von Jemandem sagt:es istwürdig, zu sterben, wenn man nicht würdig zu sterben ist", oderesist würdig zu sterben, wenn man nicht des Todes würdig ist", oderwenn man nicht todeswürdige Dinge thut".

9. Die Form des Ausdrucks nun ist in diesen Beispielen die-selbe, allein je kürzer und in je schärferem Gegensätze der Gedankeausgedrückt wird, um so mehr gefällt er. Der Grund davon ist der,daß die Auffassung einerseits durch den Gegensatz sich kräftiger unddurch die Kürze schneller vollzieht. 10. Dabei muß aber stets ent-weder die Person, auf welche das Witzwort geht, klar hervortreten,oder es muß treffend ausgedrückt sein, wenn cs zugleich wahr und dochnicht trivial sein soll, denn eS kann allerdings ein Satz die eine die-ser Eigenschaften haben, ohne die andre zu besitzen. So z. B. ist csein ganz wahres Wort:Man soll sterben, ohne einen Fehltritt zu

^ Griechischen ist der Witz noch feiner in dem ov'x

aber urn'ibersetzlich für uns. Aehnlich die Wortspiele von: Verresex Iromine faetu« verres, und I^epi^ns non lepillus, das erstere, welchesbei Cicero in Verrem c. !7 zu lesen, klingt, wie wenn man von Schillers

Wurm in Kabale und Siebe sagte: dieser Wurm ist ein Wurm!

2) Der Wortspielwitz in dem Verse des unbekannten Dichters beruht aui

der doppelten Bedeutung deö griechischen Wortes Xe'nos. welches ebensowohl

Fremdling als Gast bedeutet.

5) Ein Komödien- und Dithyrambendichter aus KamiroS auf NhvdoS, inAthen lebend, älterer Zeitgenosse des Aristoteles. S- Ulrici Gesch. der Hellen.Dichtkunst N, 6! 3, Anmerk.