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Hörer cs nickt dahin versteht, daß Nikon ein Thraker sei, so wird erkeinen Witz darin finden '). Ein anderes Beispiel ist das bekannte:„Du willst ihn verperscrn!" 2 ). Dabei ist aber erforderlich, daß beideWitze gehörig auf den passen, gegen den sie gerichtet find.
7. In dieselbe Kategorie gehören auch die witzigen Wortspiele,wie z. B. wenn man sagt: „den Athenern sei die Arche zur Seenicht Arche zum Unheil geworden, denn sie hätten Vortbeil davon ge-habt" 3); oder, wie Jsokrates einmal sagte: „die Arche ist für unfernStaat die Arche des Unheils." In beiden Fällen ist nämlich etwas,was schwerlich Jemand von dem Redenden zu hören erwartet hätte,trotzdem ausgesprochen, und der Hörer mußte anerkennen, daß cs wahrund richtig sei. Denn von der Arche zu sagen, sie sei Arche, istkein Kunststück; aber der Redende meint es eben nicht so, und willdas zweitemal Arche nicht in der Bedeutung genommen wissen, inwelcher er es das erstemal aussprach, sondern in einer andern.
8. In allen solchen Witzen besteht das Gelungene darin, daßGleichklang (Homonymie) oder Metapher in passender Weise das
1) Der Witz ist nach einigen Auslegern dieser: Nikon war, wie eS hieß,
der Sohn einer thrakischcn Mutter, was nach hellenischen Begriffen ein Gerburtömakel war. TheodoroS will dieß zu verstehen geben und spricht deßhalbdie Worte: Thrütlei se! d. h. es beunruhigt dich! mit un,
merklichem Verändern der Aussprache des Diphtongcn e i so ans. daß eS klingt,alS ob er sagte: Thratte se! d. h. eine Thrakerin hat dich — (nämlichzur Welt gebracht, und erregt dadurch daö Lachen der Zuhörer, welchen dasGerücht über den Geburrsmakel bekannt ist. — lWer Nikon war, wissen wirnicht, vielleicht der komische Dichter dieses Namens, dessen Komödie „Kitiiaro-llos" ArhenäoS erwähnt <p. 487 c.). Ein TheodoroS war gleichfalls Dichterund Schauspieler zu Aristoteles' Zeit.) Nichtiger aber ist eS wohl, daß„Thrattei" beidemal alS Verbum verstanden werden muß; und daß derWitz darin liegt, daß die Zuhörer, die die Abstammung Nikons kannten, ausden Worten des TheodoroS die Anspielung etwa so heraushörtcn: „eS thrakertdich!" oder „der Thraker schlägt dir in den Nacken!" während doch der Spre?chende scheinbar etwas anders sagt. —
2- DaS griechische Verbum persal welches Verderben bedeutet,
scheint hier die Uebersetzung zu berechtigen. Man vergleiche indessen den Witzmit peröes bei Qttinctil. VI, 3, §. 87.
2) Das griechische Wort Grelle bedeutet zu gleicher Zeit „Herr-
schaft" und „Anfang".
*) Jsokrat. an Philipp, p. SV. Kap. 24.