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2 (1891) Drei Bücher der Redekunst (Rhetorik)
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Drittes Buch.

Rhythmus entbehrende sein. Denn das Erste nimmt der Rede dieGlaubhaftigkeit, weil sie dann als künstlich gemacht erscheint. Zu-gleich zieht eine solche Form auch die Hörer von der Sache ab, indemsie ihre Aufmerksamkeit darauf hinlcnkt, wann der erwartete gleicheSilbenfall wohl wicderkehren wird, grade wie die Kinder den Aus-rufern ihr:wen nimmt sich der Freigelassene zum Patron?den Kleon!" vor dem Munde wegnehmen').

2. Eine gänzlich unrhythmische Rede dagegen entbehrt allerAbschnitte und Ruhepunkte. Die Rede soll aber dergleichen haben,nur freilich nicht durch strenge metrische Gliederung; denn das, wasohne Endabschnitte ist, ist unerfreulich und unfaßlich. Nun ist csaber die Zahl, wodurch alles bcgränzt wird, und die Zahlbestimmt-heit für die äußere Form des sprachlichen Ausdrucks ist eben derRhythmus, von dem auch die metrischen Versfüße Abschnitte sind.

3. Darum muß also die prosaische Rede Rhythmus haben, abernicht ein bestimmtes Versmaß denn sonst wird sie zum Gedicht

und auch Rhythmus nicht in scharfer Abgemessenheit, sondern der-selbe darf sich nur bis zu einem gewissen Grade fühlbar machen.

Hier ist uns ein Stück Athenisches Straßenlcbeu und Gaminthum er-halten. Wir sehen den Ausrufer, welcher die Freilassung eines Sklaven durchlautes Ausrufen einer bestimmten Formel auf den Strassen nnd Plätzen Athensbekannt macht, wie bei uns da, wo es noch Ausrufer gibt von derholden Straßenfugend begleitet, die sich damit amüstrt, den ihr bekanntenSchluß jener Formel, der sie eben deßwegcn, weil er ihr bekannt ist und sieihn auswendig weiß, allein interesfirt, dem Ausrufervorwegzunehmcn"und ihn auf eigene Faust auSzuschreicn. Oie Sache selbst interefstrt sse nicht,sie hört gar nicht darauf, sondern sie passt nur auf die ihr bekannten undvon ihr erwarteten Schlussworte und deren rhythmischen Tonfall. Ganzdasselbe habe ich bei unserer Oldenburgischen Jugend und den Ausrufern vonAuktionen nnd dergleichen häufig genug wahrgenvmmcn, und dieselbe Bemer-kung über die psychologische Wirkung eines solchen crwartcleu Tonfalls dabeigemacht, die der große Philosoph sich von seiner Beobachtung des AthenischenStraßenlebens hier zu Nutze zu machen keinen Anstand nimmt. Der NameKleon" steht übrigens hier swie II, 2, §. 2 u. sonst oft bei Arist.) grade sofür einen beliebigen, wie bei unsMeier" oderSchulze". Sachlich ist zubemerken, daß zu Athen der sreigelasscue Sklave in einem AbhängigkeitS- undPietätSperhältnisse zu seinem früheren Herrn und jetzigenPatrone" undBe-schützer" (tTrerHOTlog) blieb. S. Hermann, StaatSaltcrth. § ll4.