Achtes Kapitel.
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z. B. die vom Redner gewählten Ausdrücke bereits hart sind, so soller diese Härte nicht auch zugleich noch durch seine Stimme, durch seinenGesichtsausdruck und durch die andern dazu passenden Mittel aus-drücken, sonst wird jedes bald für das erkannt, was es ist'), währendder Redner, wenn er das Eine anwendet und das Andere nicht, seineKunst, welche dieselbe bleibt, versteckt. Aber freilich, wenn er dasSanfte hart und das Harte sanft vorträgt, so wird, was er sagt, un-glaubhaft.
11. Was die zusammengesetzten Wörter und die gehäuften Bei-wörter und die fremdartigen Ausdrücke anlangt ^), so paffen dieselbenam besten für den Redner, wenn er pathetisch wird. Denn einemZornigaufgeregten hält man es zu gute, wenn er ein Unrecht ein„himmelschreiendes" nennt, oder jemanden ein „Ungeheuer" nennt.Der Redner kann sich dergleichen aber auch dann erlauben, wenn erseine Zuhörer bereits gewonnen, und sie durch Lob oder Tadel, Zornoder Liebe in Begeisterung versetzt hat, wie das auch Jsokrates inseinem Panegyrikus gegen das Ende thut mit jenen Phrasen von„Namen und Nachruhm", und „alle die, welche ausgelitten ha-ben." Denn solche Worte läßt man selbst wohl in der Begeisterunglaut werden und läßt sie sich daher auch gefallen, weil man natürlichvon der Stimmung des Redners angesteckt ist. Daher eignen solcheAusdrücke aber auch der Poesie; denn die Poesie ist ja Produkt derBegeisterung. Also nur entweder in solchem Fall darf man sich jenerAusdrucksweisen bedienen, oder in ironischer Absicht, wie das Gorgiasgern that, und wie es an einigen Stellen im Phädrus geschieht^).
Achtes Kapitel.
WaS nun die äußere Form des sprachlichen Ausdrucks be-trifft, so darf dieselbe weder eine metrisch gebundene, noch eine allen
l) Nämlich für Schauspielerei und Kunstmirtcl.
2> Vgl. III, Kap. 2, §. 6.
6) S. JsokrateS Panegyrik. §. 186 und §. 196.
§) Vgl. unten Kap. 18, §. 7. Platons Phädrus ist voll von solcherIronie des dichterischen Ausdrucks.