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Drittes Buch.
Lcbensverhältniffe'). Wenn also der Redner auch nur sich solcherAusdrücke bedient, die seinem inncrn Zustande eigcnthümlich sind,so wird er schon seiner Rede individuellen Charakter verleihen. Dennder Bauer kann doch unmöglich weder nach Inhalt, noch nach Formsich so ausdrücken, wie der Gebildete ^). — Einen gewissen Eindruckauf den Zuhörer machen ferner auch jene Wendungen, deren sich un-sere Gerichtsredenschreiber bis zur Uebersättigung bedienen, wie: „Werweiß nicht", und: „Jedermann weiß" denn der Hörer schämt sichin solchem Falle und pflichtet dem Redner bei, um doch auch Thcilan einem Wissen zu haben, das alle andern besitzen. 8. Daß manaber dergleichen ebensowohl zu rechter Zeit, als zur Unzeit anwcndenkann, das ist allen Nedcsormen gemein.
9. Als Heilmittel, um jede Uebertreibung wieder gut zu machen,dient das altbekannte: man muß sich selbst hinterher zurechtweisen.Denn so glaubt der Zuhörer an die Wahrheit der Sache, da er jasieht, daß der Redende selbst merkt, was er thut. 10. Ferner darfman auch nicht Alles, was dem vorliegenden Falle entspricht, zusam-men auf einmal anwenden, denn durch solche Vorsicht bleibt das Ab-sichtliche dem Zuhörer verborgen. Ich meine das aber so: wenn
>) „Innerer Zustand", ist nach Aristoteles <s. LM. INc. II, Kap. S,
§. 2) die Beschaffenheit des Menschen, welcher zu Folge er sich zu den Leiden,schäften dcS Zorns, der Liebe, des Hasses u. s. w. auf eine gewisse, ihm habi-ruelle Weise, richtig oder unrichtig verhalt. Diese hangt von seiner Bildungab. Darum sind nach Aristoteles auch alle Tugenden solche L^5l§, d. h. „Fer-tigkeiten" im richtigen Verhalten. Die Lebensstellung, der Beruf dcS Bauernund Matrosen, des Jagers, des Handwerkers u. s. w. gibt nun allerdingsdenselben einen bestimmten Charakter, eine bestimmte Beschaffenheit (machenihn zu einem 77okor/ ^ 5 )/ nicht steht umgekehrt die Lebensstellung eines Men-schen in Abhängigkeit von seiner innern Beschaffenheit. ES kann einer ma,rrosenhafte Sitten haben und doch dabei ein Junker oder Bankier sein. Svverstehe ich die von den Erklärer« mit Stillschweigen übergangene schwierigeStelle.
2) Avis für unsere Dorfgeschichtenschreiber.
Bei der großen Prozeßsucht der Athener bildete sich aus dem Bedarf,nisse vieler Prozessirenden, welche nicht selbst im Stande waren, eine Nede zuverfassen, oder aus dem Stegreife zu sprechen, ein eignes Gewerbe solcher „Ge-richtsredenschreiber", bei denen man sich Neben bestellte, die man dann aus,wendig lernte und hielt. Selbst bedeutende Nedner betrieben dieß einträglicheMetier. S. Wcstermaun in Paully'S Nealencycl. IV, S. 370.