Drittes Kapitel.
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seine Seele angefüllt und feuerfarbenen Teints war sein Antlitz" ;oder ein andermal: „ihr guter Wille, meinte er, würde zielerrei-chend sein"; oder wenn er sagt: „er machte zielcrreichend ihrer WorteUeberrcdungskrast"; oder wenn er von einem „dunkelsarbenen Teintdes Mannsbartes" spricht'). Denn alle diese Ausdrücke haben we-gen der Zusammensetzung einen poetischen Anstrich.
2. Dieß also ist die eine Ursache des Frostigen. Eine zweiteist der Gebrauch der Fremdwörter 2), wie z. B. wenn Lykophron denLerxes einen „ung et Humen Mann" nennt, und Skiron einen„landschadigen Manu" heißt, und wenn Alkidamas Ausdrückebraucht, wie: „Spielzeug in die Poesie bringen", und: „der NaturHorreur", und: „vom lauteren Gedankenzorn gewetzt."
3. Die dritte Quelle des Frostigen liegt in den Beiwörtern,nämlich in ihrer Länge, oder in ihrem unpassenden und allzu häufigenGebrauche. In der Poesie ist es z. B. ganz schicklich, von „weißerMilch" zu sprechen, in der Prosa dagegen sind dergleichen Beiwörtertheils minder schicklich, theils lassen sie den Zuhörer die Absicht merkenund legen cs klar zu Tage, daß hier dichterisch verfahren wird. Gebrau-chen muß man sie allerdings, denn sie bringen Abwechslung in diegewöhnliche Sprache und geben dem sprachlichen Ausdrucke den Reizder Neuheit; allein man muß zugleich streng das rechte Maß in Obachtnehmen, weil ihre Anwendung sonst mehr Nachtheil bringt, als wennman sich der gewöhnlichen und alltäglichen Sprachweise bedient. Dennwen» der letztere ein Vorzug gebricht, so ist die erstere geradezu vomUebel. Deßwegcn erscheinen des Alkidamas Sachen frostig, denn ergebraucht seine Epitheta nicht als Würze, sondern als Speise^), sozahlreich, so überlang und so selbstverständlich sind sie bei ihm. Sosagt er z. B. nicht: der Schweiß, sondern „der feuchte Schweiß;"nicht: zu den Jfthmien, sondern „zu der Jsthmien Festversamm-
Das Frostige und Unpassende liegt vielleicht in der Zusammensehungmit das Hautfarbe und Teint bedeutet. Aber auch so sind derglei-
chen bombastische Wortbildungen, an denen auch ein Theil unserer modernstendeutschen Lorik reich ist, für die Prosa unpassend und frostig.
2> Glossen, s. die Anmerk, e zu §. 5 des vorigen Kapitels.
Das Wortspiel in de» Worten und ist un-
übersehbar.