Druckschrift 
2 (1891) Drei Bücher der Redekunst (Rhetorik)
Entstehung
Seite
236
Einzelbild herunterladen
 

236

Drittes Buch.

Bezeichnung, sowie die Meta pH er allein anwendbar für den sprach-lichen Ausdruck der Prosa. Man kann das daraus erkennen, daßJedermann diese und nur diese braucht, denn Jedermann spricht inmetaphorische», in eigentlichen und in gemeinüblichen Ausdrücken.Man sieht also, daß, wenn Jemand hierin nur geschickt verfährt, dasFremdartige sich von selbst ergeben, die angewandte Kunst verborgenbleiben, und zugleich der Ausdruck deutlich und klar sein wird, worin,wie wir sahen'), die Güte des rednerischen StylS bestand.

7. Von den Ausdrücken sind die Homonymien besondersfür den Sophisten brauchbar, denn mit ihrer Hülse bildet er seineTrugschlüsse 2), für den Dichter dagegen die Syno n ymt en. Ge-meinübliche und zugleich synonyme Ausdrücke nenne ich z. B.wan-dern" undgehen," denn diese Worte sind beide ebensowohl gemein-übliche, als mit einander gleichbedeutende (synonyme). Was nunjeder dieser Ausdrücke im Einzelnen bedeutet, und wieviel Arten vonMetapher es gibt, und daß der metaphorische Ausdruck in Poesiewie in Prosa von größter Wirkung ist, davon ist, wie wir eben sag-ten, in den Untersuchungen über die Dichtkunst gesprochen worden ^).

8. Man muß aber in der Prosa darauf um so mehr Fleiß ver-wenden, weil die Prosa über geringere Hülfsmittel verfügt, als diegebundene Rede. Auch die Deutlichkeit und die Anmuth und dieFarbe des Ungewöhnlichen verleiht hauptsächlich der metaphorischeAusdruck, und dieser läßt sich nicht von einem Andern lernen^).

9. Ferner muß man aber auch sowohl die Beiwörter (Epi-theta), als die Metaphern so wählen, daß sie zu passen. Dieß wirddann der Fall sein, wenn die Analogie beobachtet wird. Geschiehtdieß nicht, so wird der Ausdruck unangemessen erscheinen, weilWidersprechendes, neben einander gestellt, am meisten als solches indie Augen fällt. Man muß also iu's Auge fassen: was paßt dem

^ S. §. I diese« Kapitel«.

2) S. Arist. Lopli. Lieneil. Kap. 4.

S) Poetik Kap. XXI.

4) Es ist vielmehr ein Merkzeichen glücklicher Natnrbegabung, wie Aristo-teles in der Poetik Kap. XXII, §. 9 sagt. S. dort meine Annicrk. S. 169.

5) Welche derSchmuck" der Rede sind. S. unten Kap. 7 und PoetikKap. r>.