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2 (1891) Drei Bücher der Redekunst (Rhetorik)
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Drittes Buch.

Umstand spricht, daß die Rede, wenn sie nicht deutlich macht, nicht zuleisten vermag, was sie leisten soll) - und daß sie weder niedrignoch über Gebühr erhaben, sondern angemessen sei. Diepoetische Ausdrucksweise z. B. ist gewiß nicht niedrig, aber der pro-saischen Rede nicht angemessen.

2. Unter den Nennwörtern und Zeitwörtern aber sind es diegemeinüblichen, welche der Rede Deutlichkeit verleihen, wahrenddie andern, von denen in den Untersuchungen über die Politik gespro-chen worden ist, bewirken, daß sie nicht niedrig, sondern schmuckreichsei '); denn die Abweichung von dem allgemeinen Gebrauche läßtden Ausdruck seierlicher und vornehmer erscheinen. Wie nämlich dieMenschen von den Fremden anders impressionirt werden, als vonihren Mitbürgern, ganz eben so geht es ihnen auch mit dem sprach-lichen Ausdruck. 3. Deshalb ist cs nöthig, der Umgangsspracheeinen fremdartigen Anstrich zu geben, denn die Menschen sind Be-wunderer des Entlegenen, und was Bewunderung erregt, ist unö an-genehm.

In der gebundenen Rede wirkt nun Vieles dahin, und ist dortan passender Stelle, denn die Gegenstände, von welchen und die Per-sonen, über welche dort die Rede ist, stehen von uns weiter 2) ent-fernt. In der Prosaischen Rede dagegen ist jenes in weit geringeremGrade der Fall; denn der Vorwurf ist geringer. Würde es doch selbstin der gebundenen Rede unangemessen sein, wenn ein Sklave oderein sehr junger Mensch sich schönrednerisch ausdrücken wollte, oderwenn sonst Jemand über geringfügige Dinge sich also auödrückte.Vielmehr besteht auch hier das Angemessene darin, daß man nach Ge-legenheit die Segel einzuziehen und aufzuspannen weiß.

4. Darum muß der Redner solchen Schmuck unvermerkt an-bringen, und seine Sprache darf nicht künstlich gesucht, sondern mußnatürlich erscheinen (denn dies letztere verleiht ihr Glaubwürdigkeit,während jenes das Entgegengesetzte bewirkt, weil die Zuhörer danngegen den Redner, dem sie hinterlistige Absichten zuschreiben, miß-trauisch werden, wie gegen gemischte Weines, und sie muß von der

') Arist. Poetik Kop. XXI. u. XXII.

2) AiS die Personen und Dinge deS täglichen Lebens.

ES ist hier nicht an die allgemein übliche Mischung deS Weins mit