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2 (1891) Drei Bücher der Redekunst (Rhetorik)
Entstehung
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Zweites Kapitel.

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Gorgias. Und noch heute zollt der große Haufe der Ungebildetendenen, welche eine solche Sprache reden, den größten Beifall *). DiesUrthcil ist aber keineswegs richtig, sondern der sprachliche Ausdruckder Prosa und Poesie sind von einander verschiedene Dinge. Eslehrt dies schon die historische Erfahrung. Denn selbst die Tragö-diendichter bedienen sich jetzt nicht mehr in derselben Weise, wie esfrüher geschah, dieser poetischen Ausdrucksweise, sondern gerade so,wie sie von dem Tctrameter zum jambischen Versmaße übergegangensind, weil dies Metrum der gewöhnlichen Prosa von allen andern amnächsten kommt ^), ebenso haben sie auch nachgerade von den Wortenalle die aufgegeben, welche dem herrschenden Sprachgebrauchs zuwider-laufen, und alle die, womit die älteren Dichter ihre Sprache, wienoch heutigen Tages die epischen Dichter thun, zu schmücken pflegten,gleichfalls ausgegeben. Deshalb ist es sicherlich denen nachzuahmen,welche jetzt selbst jene Manier nicht mehr anwcnden.

10. Aus dem Gesagten ist einleuchtend, daß wir hier nicht aufdas ganze Gebiet des sprachlichen Ausdrucks überhaupt in ausführ-licher Genauigkeit cinzugehcn haben, sondern nur aus diejenige Artdesselben, welche hier in Betracht kommt. Von jener andern ist inder Poetik gesprochen ^).

Zweites Kapitel.

Lassen wir also die Behandlung jenes poetischen Styls als ab-gemacht gelten und bestimmen wir das Wesen eines guten sprach-lichen Ausdrucks dahin, daß er deutlich sei (wofür schon der

Ließheute" paßt noch auf den heutigen Tag, denn wer kennt nichtjene Bewunderung derschönen Sprache", welche das Urtheil der Halbgebildetenund Ungebildeten kennzeichnetl Ich finde übrigens hier einen leisen Stich aufden Platonischen Styl, der noch viel Poetisches im sprachlichen Ausdrucke ent,hält, was dem Baker des abhandelnden StyleS nicht behagen konnte.

2) S. Aristoteles' Poetik Kap. IV, §. 14.

5) Wir befinden uns übrigens in diesem Kapitel mitten in dem Kampfezweier ästhetischen Anschauungsweisen, die sich zu Aristoteles' Zeit auf das Hef-tigste befehdeten.

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