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2 (1891) Drei Bücher der Redekunst (Rhetorik)
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Zweites Buch.

11. Auf dem Gebiete dieser Denkform befand sich die rheto-rische Anleitung des Korax'). Derselbe räsonnirt nämlich so: Sehenwir einerseits, es sei Jemand auf Verübung von Mißhandlung ange-klagt, bei dem eine solche Anschuldigung nicht zutrifft, weil er körper-lich schwach ist, so kann man erweisen, daß er die Mißhandlung nichtverübt hat; denn es ist nicht wahrscheinlich ?). Aber gesetzt, mankann sich der That zu ihm versehen, weil er (der Angeklagte) z. B.körperlich stark ist, so läßt sich erweisen, daß er dennoch die That nichtgethan hat,denn," kann man sagen,er hätte erwarten müssen, daßman es von ihm glauben würde". Eben so auch in den andern (vonKorax angeführten) Fällen. Denn notwendig muß einer entwederder Schuld verdächtig oder nicht verdächtig sein. Scheinbar ist nunfreilich (in jenem Beispiele) das eine und das andere wahrscheinlich,nur mit dem Unterschiede, daß im elfteren Falle die Sache schlechthinwahrscheinlich ist, im letzteren aber nur, wie gesagt, beziehungs-weise 3).

Auch dasUnrecht zu Recht machen" läuft hierauf hinaus, undvon diesem Gesichtspunkt aus hatten die Leute Recht, wenn sie dasprahlerische Erbieten des Protagoras ^) mit Empörung aufnahmen.

1) Spengel (Lrtlum scriptore-i p. 3 l) glaubt, daß es ursprünglich geheißenhabe:des Korax und Tissas. Die Rhetorik des Korax war die älteste in dergriech. Litteratur. (Vergl. die Ausleger zu Cicero'S Schriftvom Redner" I,Kap. 20>. Sic bezog sich nur auf gerichtliche Redekunst, und war also, wieArist. hier andeutet, selir ungenügend und dürftig.

2) Nämlich daß ein schwächlicher Mensch einen gesunde» Menschen miß-handelt.

-) Daß ein schwächlicher Mensch eine Mißhandlung verübt, ist an sichunwahrscheinlich; daß aber ein Starker sich von einer solchen That durchdie oben angeführte Reflexion abhalteu läßt, ist nur bedingungsweise wahrscheinlich.

Nämlich sein Erbieten:Die Kunst zu lehren, wie man die schlechtere(schwächere) Sache zur besseren (stärkeren) mache» könne", wovon AristophaneSin den Wolken so ergötzlich handelt. Diese prahlerischexrvkesala"

erwähnt Cicero im Brutus Kap. 8, aus welcher Stelle wir zugleichlernen, daß Protagoras seine Bvrträgc gradezn mit diesen Worten ankündigte.Bekanntlich wurde Protagoras aus Athen ausgewiesen und, wie Aristotelesfindet, mit vollem Rechte. Denn die Wahrheit,daß jedes Ding zwei Seitenhat", in solcher Weise praktisch machen, das war denn doch mehr, als selbstdie Liberalität des Periklischen Athens ertragen mochte, und es ist ein schönet