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2 (1891) Drei Bücher der Redekunst (Rhetorik)
Entstehung
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BierundzwanzigstcS Kapitel.

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Vater freie Wahl gelassen worden"; aber dies doch nicht für immer,sondern nur für das erstemal, denn weiter reicht ja selbst desVaters Recht nicht. Oder wenn Jemand die Behauptung aufstellenwollte:freigeborne Menschen zu schlagen sei Vergewaltigung"; denndas ist es nicht in allen Fällen, sondern nur wenn Einer den Anfangmit ungerechten Thätlichkeiten macht.

10. Ferner entsteht, wie bei den Eristikern '), ein scheinbarerSchluß, wenn man einen Ausdruck einmal absolut und das andcremalnicht absolut, sondern beziehungsweise auf etwas gebraucht. In derDialektik z. B. liegt ein solcher in dem Satze:Das Nichtseiende istein Seiendes, denn es ist das Nichtseiende ja eben ein Nichtseiendes".Oder:Das Unerkennbare ist ein Wißbares, denn es ist wißbarals ein Unerkennbares". Ebenso gibt es denn auch in der Rhetorikein scheinbares Enthpmema, welches aus dem Umstande entsteht, daßetwas nicht schlechthin wahrscheinlich, sondern nur beziehungsweisewahrscheinlich ist. Dies letztere ist aber eben nicht allgemein wahr-scheinlich, wie ja auch Agathon sagt:

Wohl kann man sagen: wahrscheinlich sei grade dies,

Daß Menschen vieles Unwahrscheinliche geschieht 2).

Denn es geschieht eben auch zuweilen das, was gegen die Wahr-scheinlichkeit ist, woraus denn folgt, daß wahrscheinlich auch das ist,was gegen die Wahrscheinlichkeit laust; und wenn dies sich so verhält,so ist auch das Nichtwahrscheinliche wahrscheinlich. Nur freilich nichtschlechthin genommen; sondern so, wie in den dialektischen Klopfsech-tereien die Weglassung desworin?" deSworaus bezogen?"und deswo?" den rabulistischen Kniff bildet, so rührt auch hierdas Verfängliche daher, daß das Unwahrscheinliche nicht schlechthin,sondern nur beziehungsweise genommen wird.

^ Dgl. 8oxl>. kNencli. Kap. s, HZ. Sristiker, d. h. Streitsüchtige, Recht-haberische, sind hier die sophistische» Klopsfechter, denen es nur um den Scheindes RcchthabenS mit Paradoxien zu thun ist.

2) Denselben Gedanken des Dichters Agathon (über welchen man die Be-merkung zu >l. Kap. IS § >3 Nachsehen mag>, erwähnt Aristoteles in derPoetik Kap. >8, h s. (S. isr meiner Ncbers.).a- D. h- in der Rhetorik.