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2 (1891) Drei Bücher der Redekunst (Rhetorik)
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Zweiundzwanzigffeö Kapitel.

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Sklaven gemacht haben, und was sie sonst Aehnliches gethan undwelche ähnliche Schuld sie sonst auf sich geladen haben. Ganz eben-so entnehmen auch die, welche anklagen oder vertheidigen, aus der Be-trachtung der vorliegenden thatsächlichen Umstände und Verhältnissedie Begründung ihrer Anklage oder ihrer Apologie. 8. Es machtaber keinen Unterschied, ob der Gegenstand, den man so behandelt,Athener oder Lakedämonier, oder ein einzelner Mensch oder eine Gott-heit sind; denn auch wenn Jemand dem Achill Rath ertheilt, ihn lobt,tadelt, anklagt oder vertheidigt, muß ein solcher immer sich an diewirklich oder scheinbar vorliegenden Thatsachen und Umstände halten,um seine Lobrede oder seinen Tadel auf das zu gründen, was etwaLöbliches oder Tadelnswerthes vorhanden ist, seine Anklage oder Ver-theidigung auf das, was er Gerechtes oder Ungerechtes gethan, undseinen Rath dem gemäß einzurichten, was für Achill nützlich oderschädlich ist. 9. Ebenso verfährt man auch, wenn man über irgendeine Sache spricht, z. B. die Frage: ob die Gerechtigkeit etwasGutes sei oder nicht, ist nur aus der Betrachtung des Wesens undder Eigenschaften der Gerechtigkeit und des Guten zu beantworten.

10. Folglich, da Jedermann, wie wir sehen, beim Beweisführenauf diese Art und Weise verfährt mag er nun bei seiner Deduk-tion es mit dem Schließen strenger oder leichter nehmen (dennandernfalls nimmt keiner seine Beweisgründe aus Allem und Jedemher, sondern aus dem Wesen, den Eigenschaften und Verhältnissen desjedesmaligen Gegenstandes, wie es denn auch aus Vernunstgründenklar ist, daß es unmöglich ist, auf andere Weise etwas zu beweisen),so leuchtet ein, daß es hier, wie in der Topik, vor allen Dingen noth-wendig ist, für jeden Gegenstand eine auserlesene Sammlung vonBeweisgründen für die möglichen und am meisten zu treffenden Fällein Bereitschaft zu haben. 11. Dagegen hat man für unerwarteteFälle dasjenige, was sich darüber sagen läßt, auf eben dieselbe Weisezu ermitteln, nämlich indem man nicht das gränzenlose Gebiet allermöglichen Gedanken und Gesichtspunkte, sondern das Wesen und dieVerhältnisse des Gegenstandes, von dem die Rede ist, in's Auge faßt,und soviel und so genau als möglich sich an den Gegenstand hält >).

>) Dgl. Biefc I, S. K22 ff.