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2 (1891) Drei Bücher der Redekunst (Rhetorik)
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ZweiundzwanzigsteS Kapitel.

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2. Daß das Enthymem eine Art von Syllogismus sei, ist bereits früher ausgesprochen worden , desgleichen in welcher Weise esein Syllogismus sei und wie es sich von den dialektischen Schlüssenunterscheide. 3. In Enthymemen darf man nämlich weder von einemsernliegenden Satze ausgehen, noch alle Mittelglieder ausführlich bei-bringen; denn das erstere führt zur Undeutlichkeit, weil der auffassendcVerstand einen zu langen Weg zu machen hat ^), und das letztere wirdGeschwätzigkeit, weil man die Dinge sagt, die von selbst einleuchten.Dies ist denn auch der Grund, weßhalb die Ungebildeten mit ihrenReden bei den Massen mehr Eindruck machen als die Gebildeten, wiedenn auch die Dichter sagen, daß der Ungebildete

beim Pöbel leichter trifft den rechte» To» ;

denn die Gebildeten sprechen allgemein und abstrakt, die Ungebildetendagegen halten sich an das, was sie wissen und an das Naheliegende.4. Daraus folgt also, daß der Redner nicht aus allem und jedem, wasfür wahr gilt, seine Schlüsse ziehen darf, sondern sich innerhalb deroben angegebenen Gränzen zu halten hat, also z. B. innerhalb desGedankenkreises seines richtenden Publikums oder derjenigen Perso-nen, welchen dieses Publikum Glauben schenkt, und zwar muß es imletzteren Fall entweder allen oder doch der Mehrzahl bekannt sein, daßjene, auf welche man sich beruft, dieser Ansicht sind. 5. Desgleichenmuß der Redner nicht bloß aus dem unbedingt Nothwendigen ^), son-

nieine» Gesichtspunkte, an§ denen die Enthymemen abgeleitet werden. Vergl.Quinctilian V, Kap. 10 und >4.) Dies ganze Kapitel erhält sein Licht ausAristoteles erster Analytik I, Kap. 27 32.

*1 Nämlich im i. Buch Kap. l. §. I I., Kap. 2. §. 8.

2) Wenn AnacharsiS auf die Frage, warum cS i»> Scythenlande keineFlötenspieler gebe, zur Antwort gab-weil Scythien keinen Weinstock hat",so tadelt ThemistiuS lzu Lrlst. Kual. post. I, 28.> diese Antwort, weil der in ihrgegebene Grund zu weit abliege. Denn die Gedankenfvlge ist die: Scythen-land hat keinen Weinstock, also auch keinen Wein, also auch keine fröhlicheWeinlust, also auch keinen Ausdruck des Lustrausches in der Flötenmustk.

3) Anspielung auf EuripideS' Nlppolxtos v. 1002., den auch Plutarch inder Schrift von der Knabenerziehung citirt. lieber die Sache selbst handeltQuinctillan im 12 . Kapitel des ersten Buchs seiner Rhetorik.

4) S. oben I, Kap. 2. §. l4 ff.