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2 (1891) Drei Bücher der Redekunst (Rhetorik)
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Zweites Buch.

Stimmungen der Zuhörer zu erspüren trachten muß '). Der Sinn-spruch ist nämlich, wie oben gesagt, ein allgemeiner Ausspruch, unddie Menschen empfinden Vergnügen, wenn etwas als allgemein aus-gesprochen wird, was schon früher im besonderen Fall ihre Meinungwar. Zum Beispiel, wenn Jemand zufällig böse Nachbarn oder un-gerathene Kinder hat, so wird er ohne Frage dem Redner sehr rechtgeben, der da sagt:Nichts ist beschwerlicher als Nachbarschaft", oder:Es gibt nichts Thörichteres, als Kinder zu zeugen". Folglich mußder Redner zu erforschen suchen, wie seine Zuhörer über die betreffen-den Dinge von vorn herein denken, und danach ihre Ansichten in all-gemeine Sätze gefaßt aussprechen.

16. Das ist der eine Vortheil, den die Anwendung von Sinn-sprüchen hat, aber sie hat noch einen andern bedeutenderen. Sie gibtnämlich der Rede einen ethischen Charakter. Einen solchen Charakterhaben nämlich alle diejenigen Reden, aus Lenen sich die sittliche Ge-sinnung des Redners erkennen läßt. Dies bewirken aber alle Sinn-sprüche überhaupt, weil derjenige, der einen bestimmten Sinnspruchausspricht, mit demselben einen allgemeinen Gedanken über das aus-spricht, wonach der Mensch trachten soll. Sind daher die vom Rednervorgebrachten Sinnsprüche sittlich gut, so bewirken sie, daß auch der,der sie ausspricht, als ein Mann von sittlich gutem Charakter er-scheint.

Soviel also vom Sinnspruche: was er ist, wie viele Arten des-selben es gibt, wie man ihn anzuwenden hat, und welchen Vortheiler gewährt.

Zwciundzwanzigstes Kapitel.

Von den Enthymemen wollen wir zunächst im Allgemeinenangeben: wie man sie aufzusuchen habe, und darauf die bezüglichenTopen 2) behandeln; denn beides sind Dinge verschiedener Art.

!> Bgl. Cieero vom Redner II, Kap. 44., wo der Redner Antonius überd iesen Punkt interessanteBekenntnisse" mittheilt.

2) S. zu I, Kap. r. §. 21 .Die bezüglichen Topen" sind die allge-