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2 (1891) Drei Bücher der Redekunst (Rhetorik)
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Einundzwanzigstes Kapitel.

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8. Paffend ist in diesen Fällen die Form der LakonischenSprüche "), und ebenso die räthselhaft andeutende Spruchform, derensich z. B. Stesichoros, als er sich in Lokrt aufhielt ^), bediente, wenner sagte:man soll sich nicht durch Uebermuth Feinde machen, sonstsingen zuletzt die Cikaden am Boden".

9. In Sinnsprüchen zu reden, paßt sich zumeist für ältere Leute,und zwar bei Gelegenheit solcher Dinge, worin Jemand Erfahrungbesitzt; wenn also einer nicht in solchem Alter steht, so steht ihm dasin Sinnsprüchen reden schlecht an und eben so auch das in Fabelnreden 3); und wenn er gar über die Dinge, um die es sich handelt,keine Erfahrung hat, so verräth es Albernheit und Mangel an Bil-dung. Das läßt sich genügend an dem Umstande erkennen, daß un-kultivirte Menschen vorzugsweise fruchtbar an Sinnsprüchen find undsolche gern bei jeder Gelegenheit anbringen.

>) Eine Sammlung solcher lakonischen Sprüche (Apophthegmata") findetman in PlutarchS kleinen Schriften.

2> S. Nlrici Geschichte der hellenischen Dichtkunst Th. II, S. 400. DerHimeräer StefichoroS <S30550 v. Ehr.) lebte eine Zcitlang in der StadtLokri, einer der ältesten griechischen Pflanzstädte Unteritaliens, und hatte Ge-legenheit, die Lokrer in ihren politischen Beziehungen zu ihren Nachbarstaatenzu warnen, sich durch Uebermuth Feinde zu machen- Das räthselhaft und ver,steckt Andeutende seines Spruches bestand darin, daß er die bei feindlichenEinfällen stattfindendc Verwüstung der Fcldflurcn durch Umhauen aller Frucht-bäume nicht direkt als Folge übcrmüthigen Betragens anssprach, sondern indie oben erwähnte Form kleidete. Die Cikaden fingen nämlich gernin derBäume Zweigen", wie es in dem Goethe'schen Liedchen an die Cikade heißt.lVgl. Arist. Thiergesch. V, Kap. 30.) Es ist eine sehr feine psychologischeBemerkung, daß das Näthselhafte und Bildliche solcher Andeutung die Krafteinir Drohung, Warnung u. s. w. zu verstärken geeignet ist, eben weil eS eingewisses Dunkel über die Sache breitet, und den Hörer zum Nachfinnen undzur plastischen Vorstellung nöthigt. Hierauf macht auch Demetrius cke elocii-tione p. SL und x. 2>3 aufmerksam in seiner Erklärung dieses Ausspruchs,welchen er übrigens dem älteren Dionysius von Syrakus beilegt, der denselbenalso dem StefichoroS nachsprach. Vgl. bluret Var. Dectt. V, >8. und daselbstKulinlren (llluret. Oper. II, p. 116).

6) Daher ProtagoraS' Frage bei Platon (?rotag. p. 320 e.) ob er alsälterer Mann gegenüber Jüngeren wohl die Frage nach der Lehrbarkeit derTugend in Form einer Fabel (Allegorie) beantworten dürfe.