EinundzwauzigsteS Kapitel.
185
Ebenso ist der Satz:
Vollkommen frei auf Erden ist kein Menschenkind!
ein Sinnspruch. Zusammengenommen aber mit dem folgendenVerse:
Denn Sklav' ist er des Geldes oder des Geschicks — >1
ist er ein Enthymem.
Ist die angegebene Definition des Sinnspruchs richtig, so mußes vier Arten des Sinnspruchs geben. Entweder nämlich wird er miteinem erläuternden Nachsatze verbunden oder ohne einen solchen sein.4. Eines Beweises bedürftig find alle diejenigen, welche etwas Para-doxes aussprechen, oder etwas, worüber die Ansichten getheilt sind;alle diejenigen dagegen, welche nichts Paradoxes aussprechen, habenkeinen erläuternden Nachsatz. — 5. Von diesen letzteren haben natür-lich die einen keinen erläuternden Nachsatz nöthig, weil sie bereits all-gemein anerkannt find, wie z. B. der Spruch:
Ist Gesundsein doch noch meinem Sinn des Menschen höchstes G»t- 1 ;
denn die meisten Menschen denken so. Die andern nicht, weil sie nurausgesprochen werden dürfen, um sofort aus den ersten Blick einzu-leuchten, wie z. B. der Spruch:
Wer einmal liebt, bleibt gefesselt ewiglich!^
6. Von den mit einem erläuternden Nachsatze verbundenen bilden dieeinen einen Theil eines Enthymem's, wie der oben angeführte Spruch:
„Nie muß ein Vater, der die Art der Menschen kennt —
die andern dagegen sind zwar einem Enthymem ähnlich, aber nichtTheil eines Enthymem's, und gerade diese finden vorzugsweise Bei-
Aus EuripidcS „Hekuba" r. 854 — 855 .
2) Aus einem unbekannten Dichter.
5) Diese Worte ruft in EuripidcS Tragödie „die Trocrinnen" (v, lvSl8eilII.) Hekuba dem Menelaos zu, um ihn abzumahuen, die Helena mit in seinSchiff zu nehmen. ES läuft hinaus auf unser Sprichwort: „Alte Liebe rostetnicht!"