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Zweites Buch.
Einundzwanzigstes Kapitel.
Was den Gebrauch der Sinnsprüche anlangt, so wird ambesten, nachdem gesagt worden ist, was ein Sinnspruch sei, erhellen,in welchen Fällen, an welchem Orte und für wen es schicklich ist, inReden Sinnsprüche anzuwenden.
2. Ein Sinnspruch') ist nun eine Behauptung, welche jedochnicht von einem Einzelwesen etwas auSsagt, z. B. was Jphikrates fürein Mann ist, sondern die etwas im Allgemeinen aussagt.— 3. Und wie-derum sind nicht alle allgemeine Aussagen Sinnsprüche, wie z. B.,daß das Grade dem Krummen entgegengesetzt ist, sondern nur die,welche sich auf das Gebiet der menschlichen Handlungen und aus dasbeziehen, was wir beim Handeln zu wählen oder zu meiden haben.Mithin, da die Enthymeme zumeist Schlüsse über solche Gegenständedarstellen, so find die Schlußsätze der Enthymeme und ihre Ober-sätze, wenn man die Form des Schlusses wegläßt, Sinnsprüche, wiez. B.:
„Nie muß ein Vater, der die Art der Menschen kennt,
Gar zu besorgt ausbilden seiner Kinder Geist!"
Dies ist ein Sinnspruch. Setzt man aber die Ursache und das warumhinzu, sowie in den Versen:
Denn abgesehn vom Borwurf eitlen MüßiggangsErregen sic der schadenfrohen Nächsten Neid; —-)
geschieht, so wird das Ganze ein Enthymem. Ebenso der Ausspruch:
ES lebt kein Mensch, der allerwege glücklich ist!^>
Aristoteles hat dafür das Wort „Gnvmologie". lieber die Sache vgl.Rhetorik an HerenniuS IV, 17. und Quinctilian VIII, S.
2) Das Ganze ist aus EuripilscS Medea V. 2S6—2SS.s. Dieser BerS bildete den Anfang der Euripideischen verlorenen Tragödie„Stlienolioia", und die von Aristoteles ausgelassene Begründung des in dem-selben enthaltenen SaheS lautete:
,,2st einer edlen Stammes, fehlt ihm oft das Brod,
Jndeß ei» Niedrer ewige Saatenfelder baut."