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2 (1891) Drei Bücher der Redekunst (Rhetorik)
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Zweites Buch.

5. Eine Fabel ist beispielsweise die des Stesichoros gegenPhalaris und die Aesops über den Volksführer. Stesichoros ')nämlich erzählte den Himeräern, als dieselben den Phalaris zum un-umschränkten Feldherrn erwählt hatten und im Begriff standen, ihmdas Halten einer Besatzung in ihrer Stadt zu bewilligen, am Schluffeseiner ausführlichen Rede gegen diesen Schritt, folgende Fabel:Ein Roß hatte für sich allein eine Wiese im Besitz. Als nun einHirsch kam und ihm seine Weide verdarb, wollte es sich an dem Hirscherächen und fragte den Menschen, ob er im Stande sei, mit ihm ver-eint den Hirsch zu bestrafen. Allerdings, sagte jener, wenn du denZügel annimmst, und mich mit meinen Wurfspießen aufsteigen lässest.Als das Roß nun eingewilligt batte, und jener ausgestiegen war, dawurde das Roß, statt Rache zu nehmen, selbst seitdem als Sklave demMenschen dienstbar. So seht auch Ihr," also schloß er,wohl zu,daß es Euch nicht in Eurem Wunsche, an Eurem Feinde Rache zunehmen, eben so ergehe wie dem Rosse. Den Zügel habt Ihr bereits,denn Ihr habt den Phalaris zum unumschränkten Feldherrn erwählt;verstattet Ihr ihm nun noch die Besetzung Eurer Stadt und laßt ihnalso aufsteigen, so werdet Ihr sofort seine Sklaven werden".

6. Aesopos aber erzählte, da er in Samos als Vertheidigereines Volksführers austrat, der auf den Tod angeklagt war, folgendeFabel: Ein Fuchs, der über einen Fluß setzen wollte, sei von der Ge-walt des Stromes in ein Uferloch getrieben worden, wo er, unfähigherauszukommen, sich lange Zeit gequält habe, zumal da sich vieleHundsläuse auf ihn setzten. Ein Igel, der dort herumstrich, wardihn gewahr und fragte ihn mitleidig: ob er ihm die Hundsläuse ab-

Stesichoros lebte und dichtete um die Mitte des siebenten vor-christlichen Jahrhunderts. lieber seine Fabel» s. Ulrici a. a. O. II, S. 4>lbis 412'. lieber den berüchtigten Tyrannen Phalaris und über die Veranlassungder gegen ihn gerichteten Fabel des Dichters Stesichoros von Himera, sieheDuncker Gcsch. des Altertli. IV, S. 53253k. Phalaris hatte den Ioniernvon Himera seine Unterstützung gegen ihre feindseligen Nachbarn die Sikelerund Phoeniker unter der Bedingung zugesagt:daß sie ihn zum Heerführerohne Verantwortung wählen und eine Besatzung in ihre Stabt aufnehmenwollten". Duncker a. a. O. S. 533. Vgl. auch Bentley Opusc. p. IL 8 1 , 1 x 5 .

2) lieber denFabelphilosophen" Aesop, wie ihn PliniuS nannte. Vgl.Duncker a. a. O. IV, S. IZ7 ff.