Neunzehntes Kapitel.
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6. Ferner: wenn das seiner Wesenheit oder seiner Entstehungnach Spätere möglich ist, so ist es auch das Frühere; z. B. wenn eSmöglich ist, ein Mann zu werden, so auch, ein Knabe, denn das Letz-tere ist das Frühere; und wenn ein Knabe, so auch ein Mann, dennder Knabe ist der Anfang des Mannes. — 7. Möglich ist ferner alles,wonach in der Menschenbrust eine natürliche Sehnsucht und Begierdevorhanden ist; denn im Allgemeinen ersehnt oder begehrt Niemandunmögliche Dinge '). — 8. Ferner alle Dinge, welche das Objekteiner Wissenschaft oder Kunst find, die müssen auch sein oder werdenkönnen. — 9. Möglich ist ferner Alles dasjenige, dessen Anfang desWerdens in der Hand solcher Wesen liegt, welche wir durch Zwangoder Ueberredung zu unserem Willen zu bringen vermögen, d. h. alsoin der Hand von Wesen, denen wir an Kräften überlegen, oder derenHerren oder Freunde wir find. — 10. Ferner alle Dinge, derenTheile möglich find, find auch als Ganzes möglich, und alles was alsGanzes möglich ist, davon find in der Regel auch die Theile möglich;wenn z. B. Oberleder, Riemen und Hinterleder gemacht werden kön-nen, so kann auch ein Schuh gemacht werden, und wenn ein Schuh,so auch Oberleder, Riemen und Hinterleder. — 11. Ferner wenndie ganze Gattung zu den herstellbaren Dingen gehört, so auch dieArt; und wenn die Art, so auch die Gattung; z. B. wenn es möglichist ein Schiff überhaupt herzustellen, so auch ein Kriegsschiff, undwenn ein Kriegsschiff, so auch ein Schiff überhaupt.
12. Ferner: wenn von zwei Dingen, die mit einander innatürlicher Verhältnißverbindung stehen, das eine möglich ist, so istes auch das andere; z. B. wenn etwas als Doppeltes möglich ist, soauch als Hälfte, und wenn als Hälfte, so auch als Doppeltes. 13.Ferner: wenn etwas ohne Kunst und Aufwand von Mitteln bewerk-stelligt werden kann, so ist es in höherem Grade durch Kunst undSorgfalt zu bewerkstelligen möglich, weshalb es auch bei Agathon^)heißt:
1) Ein neuerer Denker hat diesen Satz so ausgedrückt: „für jede alssolche empfundene Nothwen digkcit muß es eine Möglichkeit geben", undeben dieselbe Wahrheit liegt dem wohl verstandenen Goethe'schcn Worte: „wasman in der Jugend wünscht, hat man im Alter die Fülle!" zu», Grunde.
2) lieber den tragischen Dichter Agathvn, einen Zeitgenossen des Sokrates,