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2 (1891) Drei Bücher der Redekunst (Rhetorik)
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Zweites Buch.

größern vorzugsweise den Schaureden eigen, während der Erweisdes Geschehenseins den gerichtlichen Reden (denn darum dreht sichdie richterliche Entscheidung), und die Darlegung, daß etwas mög-lich sei und geschehen werde, den berathenden Reden angehört.

Neunzehntes Kapitel.

Zunächst also wollen wir von dem Möglichen und Unmöglichensprechen.

Sobald das Gegentheil von etwas als gegenwärtig oder zu-künftig möglich feststeht, so darf man annebmen, daß auch dies etwas,dem es entgegengesetzt ist, möglich sei: z. B. wenn es möglich ist, daßein Mensch gesund wird, so muß es auch möglich sein, daß er krankwird; denn die Fähigkeit der Gegensätze, insoweit als sie Gegensätzefind '), ist dieselbe. 2. Ferner: wenn von zwei gleichen Dingen dasEine möglich ist, so ist es auch das Andere. 3. 1. Ferner: wenndas Schwerere möglich ist, so ist es auch das Leichtere. Ferner:wenn es möglich ist, daß etwas als tüchtig und schön da sei, so ist esauch möglich, daß es überhaupt da sei, denn es ist schwerer, daß einHaus schön, als daß es überhaupt ein Haus sei 2). 5. Ferner: wo-

von der Ansang möglich ist, davon muß auch das Ende möglich sein;denn Nichts wird jemals oder fängt an zu werden, was unmöglichist, z. B. die Diagonale eines Parallelogramms ist und wird in alleEwigkeit nicht den ihr gegenüberliegenden beiden Seiten kommen-surabel 3). Ferner: wovon das Ende möglich, davon ist es auch derAnfang, denn Alles, was da ist, entsteht aus einem Anfänge.

>) Was diese Bedingung bedeute, erklären die alten Ausleger durch dasBeispiel: wenn Plato krank werden kann, so folgt daraus noch nicht, daß er(der einzelne Mensch) auch wieder gesund werden kann.

2) Vgl. voxlc. I, s. DI. «oral. I, 3.

-1 Das inkommensurable Verhaltniß, das zwischen der Diagonale einesParallelogramms und den ihr gegenüberliegenden beiden Seiten stattflndet, istbei Aristoteles ein stehendes Beispiel zur Bezeichnung von etwas Unmöglichemoder Falschem. Die Belege dazu liefert Schwegler in seinem vortrefflichenKommentare zur Metaphysik I, Kap. 2 . (Th. II. S. 242S).