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Zweites Buch.
Hiermit ist von dem Einflüsse des Lebensalters und der Glücks-umstände auf das sittliche Verhalten genügend gehandelt; denn dieCharakteristik der Gegensätze der besprochenen, z. B. die des Armen,des Unglücklichen, des Machtlosen ergibt sich von selbst aus den ent-gegengesetzten Umständen.
Achtzehntes Kapitel.
Alle Reden, welche überreden wollen, bezwecken das Hervor-bringen eines entscheidenden Urtheils, — denn über Dinge, worüberunser Wissen und unser Urtheil bereits feststeht, bedarf cS keines Re-dens. Dieser Zweck bleibt unverändert derselbe, mag nun der,welcher sich der Rede bedient, sich zuredend oder abredend an eineinzelnes Individuum wenden, — wie das der Warnende oder derZuredende thut (in welchem Falle daS einzelne Individuum ebensogutRichter ist, denn Richter ist ganz allgemein gefaßt jeder, den derRedende zu überreden hat), oder mag er wider einen Gegner seinerAnsicht sprechen, oder gegen eine ausgestellte Ansicht, denn auch indiesem Falle bleibt die Rede das nothwendige Mittel, um die Gegen-gründe zu beseitigen, und diese sind dann gleichsam der Gegner, gegenwelchen der Redner seine Rede richtet. Ganz dasselbe ist der Fallauch bei den künstlerischen Schau- und Prunkreden, denn hier wendetsich der Vortrag an das Publikum als Richter. Allein im einfachenSinne des Wortes ist Richter doch nur derjenige, der in öffentlichenauf den Staat bezüglichen Streitverhandlungen über die vorliegendenFragen entscheidet — denn Streitigkeiten sowohl als Gegenständeder Berathung laufen auf die Frage hinaus: wie etwas sich verhalteund beschaffen sei. Nun haben wir von der Einwirkung der ver-
welcher die Gottheit diejenigen züchtigt, welche sie liebt. Desto besser aberverträgt sich die hier von Aristoteles angedeutete Art von Religiosität undihre Motivirung mit der christlichen Theorie des HerrscherthumS „von GottesGnaden", dessen Glaube an ei» spezielles Vcrhältniß zur Gottheit aus dem»selben Grunde beruht. Und hier gilt allerdings auch das bekannte Goethe'scheWort in EckermannS Gesprächen, daß ein unbedeutender Fürst gut und klug»hue, sich als ein fleißiger Kirchengänger zu zeigen.