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2 (1891) Drei Bücher der Redekunst (Rhetorik)
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Zweites Buch.

2. Ferner sind sie üppig und alberne Geldprahler; üppig ausweichlicher Gewinnsucht und aus Lust an der Schaustellung ihrerHerrlichkeit; alberne und geschmacklose Geldprahler, weil alle Men-schen die Gewohnheit haben, sich mit dem zu beschäftigen und zu thunzu machen, was sie lieben und was Gegenstand ihrer Verehrung ist,und weil sie meinen, daß die andern Menschen dieselben Dinge eifrigerstreben, welche für sie selbst das Höchste sind. Und dazu kommt, daßsie diese Einbildung nicht ohne Grund hegen. Denn die Zahl derer,welche der Reichen bedürfen, ist groß. Darauf bezog sich auch, wie esin der Erzählung von den Weisen und Reichen lautet, Simonides')in seiner Antwort auf die Frage von Hieron's Frau: ob es' besser sei,reich oder weise zu sein?Reich," sagte er,denn er sehe die Wei-sen in den Vorhöfen der Reichen verweilen."

3. Folge des Reichthums ist ferner bei den Reichen die Meinung,sie hätten Anspruch, das Regiment zu führen, denn sie meinen, daß siedasjenige besitzen, was den Anspruch zu regieren begründe. Kurz undin Summa gesagt: Reichthum gibt den Charakter eines unverstän-digen Glückspilzes. Jedoch ist ein Unterschied zwischen dem Charakterdes eben erst reich gewordenen und dem Charakter des in altbegrün-detem Reichthum lebenden, in so fern der eben erst reichgewordeneGlückspilz alle jene Fehler in verstärktem Grade und schlimmererGestalt besitzt. Denn so einem reichen Emporkömmlinge fehlt so zusagen die Erziehung des Reichthums. Was ferner die Vergehungender Reichen anbetrifft, so find dieselben nicht boshaft schädigenderArt, sondern sie laufen theils auf Uebermuth, theils auf Unenthalt-samkeit hinaus, z. B. auf beleidigende Mißhandlung und Ehe-bruch 3).

1) Diese Antwort läuft hinaus auf Shakesoeare'S Wort, der inEndegut, alles gut" die Helena sagen läßt:

Dem Neichthuni noch so schlechtDient oft die Weisheit, nackt und arm als Knecht!"

2) Wir würden sagenRealinjurien".

D. h. Maitressenwirthschaft.