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2 (1891) Drei Bücher der Redekunst (Rhetorik)
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Vierzehntes Kapitel.

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Nützlichen, das sittliche Gefühl dagegen mit der Tugend zu thun.Und wenn sie andere beleidigen, so ist es dabei auf Schädigung, nichtauf Auslassen des Uebermuths abgesehen.

15. Zum Mitleid geneigt sind zwar alte Leute gleichfalls, abernicht aus demselben Grunde, wie die jungen. Die letzter» nämlichfind es aus Menschenfreundlichkeit, die erstem aus Schwäche, weil siemeinen, daß alles Schlimme auch sie in nächster Nähe bedrohe, was,wie wir zuvor sahen '), zum Mitleid geneigt macht. Daher sind siedenn auch klagesüchtig und keine Freunde von Spaß und Lachen, denndie Neigung zum Klagen ist der Gegensatz der Lachlust.

16. Dies find nun also die charakteristischen Eigenthümlichkeitender jungen und der alten Leute. Da nun Jedermann die seiner Ei-genthümlichkeit entsprechenden und ihr ähnlichen Reden beifällig aus-nimmt, so läßt sich aus dem Gesagten unschwer abnehmen, wie derRedner seine Rede einzurichten hat, damit er selbst und seine Redein dem entsprechenden Lichte erscheinen.

Vierzehntes Kapitel.

Was nun diejenigen anlangt, welche in der Blüthe des männ-lichen Alters stehen, so sieht man leicht, daß ihr Charakter zwischenden obigen beiden die Mitte halten wird, indem sie das Uebermaßvon beiden von sich entfernt halten, und weder allzu sehr zuversichtlichsind denn das ist Verwegenheit noch übermäßig furchtsam,sondern in beiden das richtige Maß einhalten, weder allen trauen,noch allen mißtrauen, sondern vielmehr in ihrem Urtheil den richtigenMaßstab der Wahrheit anlegen. 2. Ferner wird nicht das Schöneallein oder das Nützliche allein die Richtschnur ihres Lebens bilden,sondern Beides zusammen; nicht Sparsamkeit oder Verschwendung,sondern das Schickliche. 3. Ebenso werden sie sich auch in Beziehungauf die Leidenschaft und die Begierde verhalten: sie werden besonnensein mit Tapferkeit und tapfer mit Besonnenheit. Bei der Jugendund bei dem Alter sind nämlich diese Eigenschaften getrennt, denn die