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2 (1891) Drei Bücher der Redekunst (Rhetorik)
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Zweites Buch.

Verthun ist. 7. Ebenso find sie feige und vor allem Möglichen imVoraus bange, weil ihr Zustand dem der Jugend entgegengesetzt ist;sie nämlich find erkaltet, jene aber find heiß, und so hat bei ihnen dasAlter der Feigheit bereits den Weg gebahnt, denn die Furcht ist eineArt von Frostempfindung. 8. Ferner hängen sie am Leben, vorzüglichwenn's zur Neige geht, weil immer das, was wir nicht haben, Gegen-stand des Begehrens ist, und weil wir grade das am meisten begehren,dessen Mangel wir vorzugsweise empfinden.

9. Auch egoistisch find sie über die Gebühr, denn auch derEgoismus ist eine Art Engherzigkeit. Desgleichen ist das Nützlicheund nicht das Schöne in ungebührlicher Weise die Richtschnur ihrerLebensführung, eben weil sie Egoisten find; denn das Nützliche ist einGut für den Einzelnen, das Schöne dagegen ein Gut schlechthin.10. Ferner find sie vielmehr ohne Scham, als verschämt, denn weilihnen das Schöne und das Nützliche nicht gleichmäßig am Herzenliegen, machen sie sich nichts aus der Meinung Anderer. 11. Auchsind sie der Hoffnung schwer zugänglich wegen ihrer Erfahrung(denn mit der Mehrzahl der menschlichen Dinge ist es schlecht bestellt,wenigstens lausen sie meist nach der schlechten Seite hin auS) unddann auch wegen ihrer Feigheit.

12. Ferner leben sie mehr in der Erinnerung, als in der Hoff-nung, denn der noch übrige Nest ihres Lebens ist klein, der durchlebteZeitraum aber groß, und die Hoffnung gehört der Zukunft, die Er-innerung dagegen der Vergangenheit. Hierin liegt auch der Grundfür ihre Geschwätzigkeit, zu Folge deren sie ewig von dem Vergange-nen reden, weil die Erinnerung daran ihnen Freude macht.13. Ferner sind ihre Zornaufwallungen zwar heftig, aber ohne nach-haltige Kraft, und ihre Begierden zum Theil völlig erloschen, theilsnur noch schwach, so daß weder für ihr Begehren, »och für ihr Han-deln ihre Begierden den Antrieb bilden, sondern der Vortheil. Darumerscheinen Leute solcher Altersstufe als weise, gemäßigte, denn ihreBegierden haben nachgelassen und sie stehen im Dienste des Vor-theils '). 11. Auch leben sie mehr nach Berechnung, als nachAntrieben deS sittlichen Gefühls, denn die Berechnung hat es mit dem

0 Sie sind die wahrenBewniienheitSprediger".