Dreizehntes Kapitel.
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luter Sicherheit und greifen Alles mit weniger Kraft an, als sich ge-bührt >). — 2. Sie „meinen" immer nur, sprechen aber nie etwasals „Wissen" aus, und in ihrer schwankenden Unentschiedenheit setzensie überall ein „etwa" oder ein „vielleicht" hinzu, und drücken Allesin dieser Art, nichts mit fester Bestimmtheit aus. — 3. Ferner sindsie argmüthig2), denn Argmüthigkeit ist die Eigenschaft, alles nachder schlimmen Seite hin aufzufassen; desgleichen sind sie argwöhnischaus Mißtrauen, und mißtrauisch aus Erfahrung. — L. Aus diesenGründen ist auch weder ihr Lieben stark, noch ihr Hassen, sondern siebalten es mit dem Lehrspruche des Bias und „lieben als wenn sieeinst hassen, und hassen als wenn sie einst lieben sollten". — 5. Fer-ner find sie engherzig, weil sie vom Leben bereits kleingemacht wordensind, denn sie streben nach nichts Großem und Erhabenem mehr, son-dern nur nach dem Bedarf des Lebens. — 6. Desgleichen sind sieknickerig, den» zum Leben gehört eben auch Vermögen, und sie wissenzugleich aus Erfahrung, wie schwer das Erwerben und wie leicht das
lichcn Dingen sind d. h. „cs ist kein Verlaß darauf", sic sind unbe-
ständig, laufen meist anders und schlimmer aus, als man denkt. Vgl. unten
§ l>.
Die letzteren Warte enthalten im Griechischen eine Anspielung darauf,daß das Alter den Sah khilons, welchen Aristoteles im porigen Kapitel an-führte lll, >2, § >4), jenes „Nichts zu sehr!" «)/e<r-!> nach einer
andern, und zwar der entgegengesetzten, Seite hin überrreibt. Diese Anspielungist aber unübersehlich, da wir kein Wort haben, welches dem griechischenvöllig entspräche.
2) Vgl. die Note zum § 7 des vorhergehenden Kapitels.
-1 lieber BiaS von Priene, Sohn des TentamoS, vgl. Duncker a. a.O. IV, S. >40 — 142. Der folgende WeiSheikSspruch des großen politischenWeisen kann nur dann richtig verstanden werden, wenn man erwägt, daß da-mit politische Freundschaften und Feindschaften gemeint sind, bei denen BiaSvor allem Uebcrmaße warnen wollte. Vgl. die vortreffliche Abhandlung überdieses antike Diktum von Mor. Seyffert in seinem meisterhaften Commen-tar zu Cicero'S Schrift von der Freundschaft S. ZSS—370. Aristoteles selbstkritisirt den Mißbrauch jener Maxime hier am besten dadurch, daß er sie deinsibwung- und bcgeisternugölvsen Alter als eigenthümlich zuschreibt, wie derfeinsinnige Sophokles eben dieselbe seinen Ajax im Augenblicke des Selbstmordsin der menschenfeindlichsten Verdüsterung des GemüthS auSsprechcn läßt tvgUEvph. Ajax v. KSV).