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Zweites Buch.
12. Ferner lieben sie es mehr, das Schöne zu thun, als dasNützliche, denn sie leben mehr nach dem sittlichen Gefühle, als nachder Berechnung, die Berechnung aber geht auf das Nützliche, die Ju-gend auf das Schöne. 13. Ferner sind sie in höherem Maße, alsdie andern Lebensalter, die Freunde ihrer Freunde und Kameraden,weil gemeinsam zu leben ihre Freude ist, und sie noch keine Sache,also auch ihre Freunde nicht, nach dem Nutzen beurtheilen. —1^. Ferner laufen alle ihre Fehler, im Gegensätze zu dem SprucheCheilonS auf Uebermaß und Uebertreibung hinaus, denn sie thuneben „Alles zu sehr", sie lieben zu sehr und hassen zu sehr, und eben-so in allen andern Empfindungen. Desgleichen vermeinen sie undversteifen sie sich Alles zu wissen, was denn aber auch die Ursache ist,daß sie Alles übertreiben. 15. Wenn sie Andere beleidigen, so istes dabei auf übermüthige Behandlung, nicht auf bösliche Schädigungdes Beleidigten abgesehen. Auch sind sie zum Mitleid geneigt, weilsie alle Menschen für gut und für besser halten, als dieselben in Wirk-lichkeit sind; denn ihre eigene Unschuld ist der Maßstab, mit dem sieihre Nebenmenschen bemessen, und in Folge dessen nehmen sie immeran, daß dieselben unschuldig leiden. 16. Endlich sind sie auch Freundedes Lachens und eben deshalb auch des Spaßes; denn die Epaßhaf-tigkeit ist gebildeter Uebermuth.
Von dieser Beschaffenheit also ist der Charakter der Jugend.
Dreizehntes Kapitel.
Die älteren und bereits über den Wendepunkt der Mannesblülhehinausgeschrittenen Leute haben ein Wesen, das sich im Allgemeinenals Gegensatz der meisten Jugendeigenschasteu charakteristren läßt.
Weil sie nämlich viele Jahre gelebt und vielfache Täuschungenund Fchlschläge erfahren haben, und weil es mit den meisten mensch-lichen Dingen schlecht bestellt ist ^), so behaupten sie nichts mir abso-
6 „Nichts zu sehr!" oder wie cs Tallcyrand ausdrückte I 8urtout pas2) Das letztere Urtheil lautet im Texte: Die meiste» von den mcusch-