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2 (1891) Drei Bücher der Redekunst (Rhetorik)
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Zweites Buch.

2. Wenn die obige Definition richtig ist, so müssen erstens zurEifersucht geneigt nothwendig alle die sein, welche gewisser Gütersich für würdig halten, während sie dieselben eben nicht besitzen,denn Niemand beansprucht Dinge, welche ihm als unmöglich erschei-nen '). Daher sind die Jünglinge und die Hochherzigen dieserLeidenschaft zugänglich, und ebenso diejenigen, die bereits Güter sol-cher Art besitzen, welche hochgeachteten Männern zukommen, als dafind: Reichthum, Beliebtheit, Staatsämter und dergleichen mehr.Weil sie nämlich der Ansicht sind, die Achtung ihrer Mitmenschenkomme ihnen von Rechtswegen zu, weil Achtung denen stets zukommt,die sich im Besitze hochgeachteter Güter befinden ^), so ist der Besitzsolcher Güter Gegenstand ihres eifersüchtigen Strebens.

3. Ferner sind zur Eifersucht geneigt die, welche von Andernfür würdig (solcher Güter) gehalten werden. Ferner sind die, derenNorfahren oder Verwandte oder Angehörige, oder deren Volk oderVaterstadt in irgend welchen Stücken ausgezeichnet und in Ehren da-stehen, zu eifersüchtigem Streben nach diesen Dingen geneigt, dennsie halten dieselben für etwas, das ihnen von Hause auS gehört, undsich selbst zum Besitze derselben berechtigt.

4. Wenn nun aber die ehrebringenden Güter Gegenstand derEifersucht sind, so müssen eS auch nothwendig die Tugenden sein undalles, was Andern nützlich und wohlthätig ist denn man ehrt dieWohlthätigen und Tugendhaften und alle diejenigen Güter, wovonunsere Nebenmenschen Genuß haben, wie es z. B. Reichthum undSchönheit in höherem Grade sind, als Gesundheit.

5. Es leuchtet nun auch in die Augen, welche PersonenGegenstand der Eifersucht sind. Es sind dies nämlich erstens dieje-

D. h. die ihm als für sich absolut unerreichbar erscheine».

2) Das hier von Aristoteles gebrauchte Wortspiel: kerkert

d. h. einGuter" < Angesehener, Tüchtiger, Trefflicher)sein und:in guten Umständen sein", ist in seiner Kurze für uns unübcrsetz«lich. Der Gedanke selbst ist ebenso klar, als wahr; Knebel erinnert an unserSprichwortwem Gott ein Amt gibt, dem gibt er auch Verstand", und setzthinzu:Menschen, welche die genannten Güter besitzen, betrachten sich ohneWeiteres auch als derselben würdig, d. h. alsGute" im antik hellenischenSinne.