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Zweites Buch.
ganz besonders wenn unser Ehrgeiz es grade auf solche Dinge abge-sehen hat, welche Anderen, die es nicht verdienen, zu Theil werden.15. Endlich überhaupt sind alle diejenigen, welche sich selbst gewisserDinge für würdig halten, deren sie andere nicht würdig achten, gegendiese letzteren in Bezug auf ihre Erfolge zur Indignation geneigt.Darum find auch die sklavischen, erbärmlichen und ehrbegierlosen Na-turen nicht zur Indignation geneigt, denn sie haben nichts, dessen siesich würdig achteten.
16. Aus diesen Bemerkungen erhellt nun, über welcherlei Men-schen man sich, wenn sie Unglück haben, oder wenn es ihnen schlechtgeht, freuen darf oder doch nicht zu betrüben braucht; denn aus dembisher Gesagten ergibt sich klar, welches das jedesmalige Entgegen-gesetzte sei. Wenn also der Redner die Richter in solche Stimmungversetzt, daß er nachweist: die, welche Mitleid zu erregen beanspruchen,und die Dinge, worüber sie es beanspruchen, seien eben sowohl un-würdig, dasselbe zu erlangen, als zugleich würdig, dasselbe nicht zuerlangen, so wird das Mitleid möglich gemacht sein.
Zehntes Kapitel.
Die Fragen: worüber, gegen wen und in welcher Gemüthsver-fassung man Neid empfindet, erledigen sich leicht, wenn man festhält,daß der Neid ein Unlustgesühl ist über ein uns in die Augen fallen-des Glück in Betreff der oben genannten Güter, von welchen wir Leuteunsers Gleichen umgeben sehen: ein Unlustgefühl, das nicht auf denWunsch, jene guten Dinge selbst zu besitzen, sondern lediglich gegenjene besitzenden Personen gerichtet ist. 2. Neid empfinden werdendemnach solche Menschen, denen gewisse andere gleich stehen oder alsgleichstehend erscheinen. Unter gleichstehend verstehe ich, in Bezug ausHerkunft, auf Verwandtschaft, auf Lebensalter, aus Begabung, ausVermögensuu,stände. Ferner solche, denen nur weniges fehlt, umalles Erwünschte zu besitzen. Darum sind Leute, welche einen großenWirkungskreis haben und dem Glücke im Schooße fitzen, neidisch,denn sie meinen immer, jeder entziehe ihnen etwas von dem, was