Zehntes Kapitel.
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eigentlich ihnen gehöre '). 3. Ferner diejenigen, welche wegen irgendeiner Sache ganz besonders geehrt werden, zumal wegen ihrer Weis-heit und ihres Glücks, und zwar find die Ehrgeizigen neidischer, alsdie ehrgeizlosen. Desgleichen die, welche nach dem Rufe der Weis-heit trachten, denn sie find eben ehrgeizig nach Anerkennung ihrerWeisheit; und überhaupt alle, die nach Ansehn und Geltung in irgendetwas trachten, find in dem, was diese Specialität betrifft, neidisch.Endlich alle kleinen Seelen, denn denen kommt alles groß vor.
1. Was die Gegenstände des Neides aulangt, so ist bereits ge-sagt, daß es die Güter sind. Denn alle und jede Verrichtungen oderBesihthümer, worin man seine Ehre und seinen Ruhm sucht und worinman gern als ausgezeichnet gelten möchte, ferner alles, was in dasGebiet der Glücksgaben gehört, ist auch in der Regel sammt und son-ders Gegenstand des Neides; zumal alles, was man entweder selbstgern haben möchte, oder wovon man glaubt, daß man es von rechts-wegen haben müßte, oder worin wir dem Andern nur wenig überlegenfind oder nur wenig hinter ihm zurückstehen.
5. Auch liegt es zu Tage, gegen wen man Neid empfindet, denneS ist bereits im Vorigen mit gesagt ^). Veneiden thui man nämlichdie, welche uns nach Zeit, Ort, Lebensalter und Ruf nahe stehen.Daher das bekannte Dichterwort:
„Denn was verwandt ist, das versteht sich auch auf Neid!" 2z
Ferner die, denen gegenüber man sich geltend machen möchte — denngeltend machen will man sich gegen die zuvorgenannten, währendgegen die, welche vor Jahrtausenden lebten, oder gegen die, welche
t) Auf dieser feinen psychologischen Bemerkung beruht auch die Ansichtder Hellenen von dem Neide der Götter.
Zn der Bemerkung über den Ausdruck „gleichstehend" im § r.
3) Wir kennen den Dichter nicht, der dies Wort gesprochen hat. Aberjedenfalls muß er tief in das Herz der Menschheit geschaut und sehr wahr-scheinlich selbst die Erfahrung gemacht haben, daß nichts geneigter zum Neideund unwilliger zur Anerkennung ist, als das „Berwandtenpack", die „Sipp,schaft" — denn auf solche Bezeichnung der „Familie" im weiteren Sinn läuftder griechische Ausdruck ro hinaus.