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2 (1891) Drei Bücher der Redekunst (Rhetorik)
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Zweites Buch.

sagten klar. Denn das Sich-indigniri-sühlen ein Sichkränken')über einen Menschen, der in unfern Augen unverdientes Glück genießt,so ist zunächst offenbar, daß es nicht möglich ist, über alle Güter ohneUnterschied, die Einer besitzt, jenes Gefühl der Indignation zu empfin-den; denn man wird gegen einen Andern diese Mißempfindung nichthegen, wenn derselbe etwa tapfer und gerecht ist, oder wenn es demsel-ben gelingt, Tugend zu gewinnen, so wenig wie durch das Gegentheildavon Mitleid erregt wird; sondern man fühlt dieselbe über Reich-thum, Macht und über alle Dinge dieser Art, deren mit einem Wortenur die Guten und die im Besitze der angeborenen Güter, wie deredlen Geburt, der Schönheit u. s. w. befindlichen würdig find.

9. Da aber bekanntlich das Altbegründete in den Augen derMenschen dem von Natur gegebenen nahe kommt, so, folgt darausnothwendig, daß man, wenn Menschen ein und dasselbe Gut besitzen,über diejenigen in höherem Grade indignirt ist, welche erst jüngst sichim Besitze desselben und dadurch in glücklichen Umständen befinden^).So kränkt uns in höherem Grade neuerlangter Reichthum, als alterund durch Geschlechter hindurch vererbter, und dasselbe gilt von Re-genten, Machthabern, mit zahlreichen Anhängern, trefflichen Kindernund dergleichen mehr gesegneten. Dasselbe ist auch der Fall, wenneiner mit Hülfe solcher Vorzüge ein anderes Gut erlangt; denn auchda beleidigen uns die Neureichen, wenn sie durch ihren Reichthumzum Regiment gelangen, mehr als die Altreichen. 10. Aehnlichist's auch in den andern Fällen. Der Grund aber davon ist, weilnach der Meinung der Menschen die Einen das ihnen Zukommende zubesitzen scheinen, die Andern aber nicht. Denn in der Meinung der

t) Ich bemerke hier ein- für allemal, daß es in der deutschen Spracheunmöglich ist, bei der Uebersehung eines griechischen Ausdrucks, wie z. B. hier/ivTlktckAckt und ein und denselben deutschen Ausdruck sestzuhalten, und

daß die Uebersetzung, wenn ste verständlich und lesbar bleiben will, abzuwechselngezwungen ist. Daher ist gverkeckAwe bald durchUnlust empfinden", bald durchSchmerz empfinden", bald, wie hier, durchsich kränken" wiedergegebe».

2) Man beachte den ächt hellenische» Zug, daß Schönheit als solcheauch aller andern Güter und Vorzüge würdig erscheint.

Ebenso TacituS llistar. II, ro. über Caccina. Darüber habe» sichmit Schillers Wollenste!» alle Emporkömmlinge und Usurpatoren zu beklagen.